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Salvage Art: konform (Review)

Artist:

Salvage Art

Salvage Art: konform
Album:

konform

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Synthie-Pop, New Wave, Krautrock, NDW

Label: Eigenproduktion
Spieldauer: 30:54
Erschienen: 16.01.2026
Website: [Link]

Ihr Album trägt zwar den Titel „konform“, aber eins sind die beiden Kölner Jungs von SALVAGE ART garantiert nicht: konform (und nicht etwa nur, weil sie den Titel auch noch auf dem LP-Cover kleinschreiben)!
Ihre Musik und ihre Ideen sind Nonkonformismus pur!
Denn sie besitzen – egal was die Trends auch vorschreiben – den Mut, zwischen Synthie-Pop, New Wave und Krautrock alle Fenster musikalischer Vielfalt aufzustoßen und ordentlich für Durchzug zu sorgen. Noch dazu setzen sie vorrangig auch auf ihre deutsche Muttersprache. Der digitale Streaming-Scheiß darf gerne nach konformen Klick-Zahlen gieren. Das ist nicht das Ding von SALVAGE ART!
Die gieren höchstes nach den Spätsiebzigern und Frühachtzigern, als Bands wie RHEINGOLD oder NEU!, LA DÜSSELDORF und CAN für Verblüffung sorgten und der aufkommenden Disco-Wellen-Kultur eine kräutrig rockende, spaceige NDW-Mixtur mit deutschen Texten entgegensetzten.
Ach ja, was waren das doch für Zeiten?
Genau diese Gedanken kommen einem in den Sinn, wenn die streng limitierte, handnummerierte „konform“-LP von SALVAGE ART auf dem Plattenteller ihre Kreise zieht.


SALVAGE ART steht – übersetzt man diesen Titel – für wertvolle, aber beschädigte Kunstwerke, die dadurch entwertet werden, dass man den Namen ihres Schöpfers entfernt.
Ähnlich geht das Kölner Duo auch an ihre Musik heran. Sie schaffen Atmosphären aus dem Krautrock, die einem sehr bekannt vorkommen, verleihen diesem aber mit ihrer Musik ein neue poppige, deutschsprachige Note, indem sie die alte überschreiben, ohne deren Grundlage zu zerstören.
Sogar die Titel wecken Erinnerungen – gleich von Anbeginn. Denn wer denkt nicht beim Album-Opener „Rebuild This City“ sofort an STARSHIP und deren Riesen-Radiohit des Jahres 1985, der auf keiner Disco-Tanzfläche fehlen durfte.


Absolut überzeugend ist auch der Gesang, der gleich im Album-Opener an die in kleinen Seen schwimmende Sehnsucht von PURPLE SCHULZ erinnern, während den flotten Rhythmen ein gewisses NEW ORDER-Gen der Band-DNA innewohnt.
Doch kommen einem noch viel mehr DNAs beim Hören von „konform“ in den Sinn. RHEINGOLD zum Beispiel, deren „Dreiklangdimensionen“ bei „Du kannst es haben“ mit durchklingen oder CAN bei dem kräutrigsten und zugleich längsten Song „Magische Insel“, der schwer beeindruckend die LP-B-Seite eröffnet und so bewusst im Zentrum des Albums zu stehen scheint.


Zugleich ist unüberhörbar, dass Thomas Mersch eine wichtige Rolle in dem Krautwave-Trio KRATZEN und bei MONOSTADT spielt, die ähnlich ausgerichtet den deutschen Musikmarkt mit international und elektronisch geprägten Klängen bereichern.

Mit „Solange“ ziehen SALVAGE ART am Ende ihres Albums einen bedrückenden Schluss. Einen, der trotz dieser melodramatisch-suizidalen Klarheit verständlich erscheint: „Solange ich noch lebe / Lösche ich mich selber aus / Solange ich noch da bin / Mach ich Schluss und bin dann raus“.
Das klingt depressiv.
Ist es aber nur zum Teil! Denn hier geht es bei genauem Hinhören zugleich um die (absolut empfehlenswerte) Ausführung eines digitalen Suizid. Ein Entschluss, den man sogar vielen ans Herz legen will: „Ich hinterlasse keine Zeichen / Nicht analog / Nicht digital / Als hätte es mich nie gegeben / Trete ich geschlossen ab“.


Ein feines wie nachdenkliches Ende eines Albums, das musikalisch weit in die Kraut-Synthie-Pop-Vergangenheit zurückblickt, textlich aber der Moderne den Spiegel vors Gesicht hält und dabei oft eine echte Fratze zum Vorschein bringt, die einen mitunter „Für immer wach“ hält: „Zwischen greller Sehnsucht / Und der dunklen Angst / Hoff ich auf ein Zeichen / Was du noch verlangst“.

PETER SCHILLING und sein völlig schwereloser Major Tom passt sogar in das „Muster“, welches SAVAGE ART nach dem deutsch-englischsprachigen Start dann im besten Stil durch die neudeutschgewellte Pop-80er-Kultur schweben lassen. Diese durchaus retrobasierte Musik macht Freude, auch wenn die Texte stärker die Schatten- als Sonnenseiten beleuchten, um mehr die NDW-Pferdeäpfel, die der 'Goldene Reiter' hinterlässt, aufzudecken. Ähnlich fesselnd wie der WITT-Song ist aber „konform“ in seiner Gesamtheit allemal – und noch dazu bestens produziert. Vinyl-Klang auf der absoluten Höhe seiner Zeit mit fetten wie kristallklaren Sounds und beachtlichen Stereo-Effekten.


„Une fois“ kommt mit einer Prise KRAFTWERK daher und steuert geradlinig zwar nicht über die Autobahn, sondern durch finstere Synthie-Klangwelten direkt auf das bedrückende „Solange“ zu, das zwar nicht die Stimmung hebt, dafür aber tief unter die Haut geht: „Wer denkt ich wäre da gewesen / Sucht vergebens eine Spur...“

Die Spur, welche SALVAGE ART auf „konform“ auslegen, sollte man trotzdem unbedingt weiterverfolgen, selbst wenn sie nicht immer leicht zu finden ist. Es lohnt sich!


FAZIT: Die Zeichen, welche SALVAGE ART auf „konform“ in gleich drei Sprachen und weltübergreifender elektronischer wie kräutrig dominierter Musik setzen, sind für jeden aufgeschlossenen Musikfreund eine Erfüllung 'greller Sehnsüchte' („Für immer wach“), die in keiner Weise Angst bereiten und auf dieser LP bestens klingend verwirklicht werden. Leider werden besagte Sehnsüchte schon nach einer halben Stunde endgültig befriedigt, sodass man garantiert mehr als einmal die Seiten mit der jeweils einen schwarzen Rille auflegt und das einfach nicht langweilige, erinnerungsschwelgende Album genießen wird. Komm, sei nonkonform und höre „konform“!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 64x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (14:48):
  • We Built This City (3:05)
  • Muster (3:29)
  • Du kannst es haben (4:32)
  • Das Leuchten (3:42)
  • Seite B (16:06):
  • Magische Insel (5:02)
  • Für immer wach (4:35)
  • Une fois (3:15)
  • Solange (3:14)

Besetzung:

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