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The Waterboys: Atlantic Rain - The Lost Fisherman's Blues Recordings (Review)

Artist:

The Waterboys

The Waterboys: Atlantic Rain - The Lost Fisherman's Blues Recordings
Album:

Atlantic Rain - The Lost Fisherman's Blues Recordings

Medium: Download/3-LP-Set/3 CDs
Stil:

Celtic-Folk, Singer-Songwriter, Roots-Rock, Folkpop, Gospel, Classic-Rock

Label: Chrysalis Records
Spieldauer: 126:42
Erschienen: 17.07.2026
Website: [Link]

"Wir haben Anfang 1986 mit den Aufnahmen zu unserem vierten Album begonnen und es 100 Songs und zwei Jahre später fertiggestellt", sagte Mike Scott, uneingeschränkter Mastermind und Frontmann der britischen Rockband THE WATERBOYS, in einem Interview recht lakonisch über die Arbeiten zu "Fisherman's Blues", dem vielleicht besten Album seiner langen Karriere. Was das Ausmaß dieser legendären Sessions in Irland anbetrifft, hat der Sänger, Songwriter, Gitarrist und Pianist in dem Zitat eher noch untertrieben.

Man dachte ja eigentlich, dass die WATERBOYS ihre 1988 mit "Fisherman‘s Blues" gestartete, letztlich recht kurze Celtic-Folk-Phase inzwischen hinreichend ausgewertet hätten. Es gab da immerhin 2006 eine "Collector`s Edition" mit 2 CDs inklusive etlicher sehr guter zusätzlicher Tracks. Und schließlich (im Sinne von abschließend, so dachte man zumindest) vor 13 Jahren ein 7-CD-Schmuckstück namens "Fisherman's Box: The Complete Fisherman's Blues Sessions (1986-1988)" mit sagenhaften 121 Stücken, davon wiederum 85 unveröffentlicht. Aber weit gefehlt - da war noch mehr im Archiv.


Und zwar nichts, was hier auch nur im Geringsten den "Resterampe!"-Vorwurf rechtfertigen würde. Der nunmehr dritte Nachschlag trägt den schönen Titel "Atlantic Rain" und liefert uns die "Lost Fisherman's Blues Recordings" in einer wunderschönen Box frei Haus. Auch die CDs stecken in einer prächtigen überdimensionalen Hülle inklusive 52-seitigem Booklet - optisch wie haptisch ein Meisterstück liebevoller Archivarbeit.


Zurück zum akustisch delektablen Inhalt, auf den es ja vor allem ankommt. Mit diesen "Lost Recordings" wird abermals klar, wie unfassbar kreativ und fleißig die 1983 in London gegründeten WATERBOYS um Scott, Saxophonist Anthony Thistlethwaite und Geiger Steve Wickham waren, nachdem sie vom auch für U2-Fans zugänglichen Überwältigungs-Rock (vor allem auf dem dritten Album "This Is The Sea" von 1985) zum irisch-schottischen Folk rübergemacht hatten Was seinerzeit übrigens nicht jedem Fan gefiel. Auch dieser Reviewer erinnert sich an seine verdutzte Reaktion auf jene neuen WATERBOYS-Lieder, die mit ihren Fiddles, Bouzoukis, Mandolinen und Flöten zunächst nach rustikaler Irish-Pub-Musik klangen (bis man sich auf die Schönheit der Melodien einließ). 

Es müssen letztlich weit über 100 Stücke - neben dem Dutzend Originalsongs von "Fisherman's Blues" noch allerhand Alternativ-Versionen, Obskuritäten, Raritäten und Outtakes - gewesen sein, die am Ende der Sessions von 1986 bis 1988 zusammengekommen waren. Und natürlich sind nun auch die 25 "Atlantic Rain"-Tracks jener extrem produktiven Phase hochwillkommen. 


Gerade wer zuletzt mit dem stilistisch frei flottierenden Waterboys-Konzeptalbum "Life, Death & Dennis Hopper" (2025) über die US-Gegenkultur seit den 1950er-Jahren gefremdelt hatte (es gab auch zu diesen 25 Tracks mit "Rips From The Cutting Room Floor" noch einen Nachschlag), wer also in dieser ambitionierten Musik zu wenig klassische "Big Music"-Waterboys hörte, der dürfte das insgesamt gut zweistündige Dreifachalbum "Atlantic Rain" als wohltuende Erfrischung direkt aus dem Folk/Gospel-Himmel empfinden.


Insgesamt bilden diese fast verlorenen Songs einschließlich wilder Jam-Sessions und roherer Alternativ-Versionen bereits bekannter Lieder (ganz fantastisch etwa der achtminütige, völlig entfesselte Live-Take von "We Will Not Be Lovers") eine wunderbare Brücke zwischen dem opulenten WATERBOYS-Sound der mittleren 80er-Jahre ("A Pagan Place", "This Is The Sea") und ihrem Celtic-Folk der Nachfolgewerke "Fisherman's Blues" (1988) und "Room To Roam" (1990). Besonders reizvoll sind natürlich bislang völlig unbekannte Stücke wie das sensationelle "Come Back To Galway" (mit den schön melancholischen, albumtitelgebenden Zeilen "The atlantic rain reminds me of home/and the sweet narrow streets that I wander alone..."), "Light Shine On Me" oder "Endless Store".


Aber auch die WATERBOYS-Cover ikonischer Songs (unter anderem Bob Dylans "Knocking On Heaven's Door", "No Expectations" von den Rolling Stones, "When Doves Cry" von Prince und "Sgt Pepper's Lonely Hearts Club Band" von den Beatles in gleich zwei exzessiven Versionen mit 13 beziehungsweise sieben Minuten Spieldauer) wissen nachhaltig zu begeistern. Mike Scott, inzwischen 67 Jahre alt, war schließlich immer ein Musiker, der sich und sein Songwriting tief in der Rock-Historie verwurzelt sah, angefangen bei Bob Dylan und Van Morrison, über Patti Smith und David Bowie bis zu Bruce Springsteen. Vor diesen Idolen verneigt sich der Schotte - in seinem ganz eigenen Folkrock-Stil - bis heute bereitwillig. 

"Erst 2024 sichtete Mike Scott das riesige Archiv und entdeckte zahlreiche Aufnahmen, die nun erstmals veröffentlicht werden", schreibt Chrysalis Records über den Weg zu dem in drei "Rubriken" unterteilten "Atlantic Rain"-Boxset (Album 1: "Atlantic Rain"; Album 2: "Indian Summer"; Album 3: "Fisherman's Jam"). "Was damals polarisierte, entwickelte sich später zum erfolgreichsten Album der Bandgeschichte und gilt heute als Meilenstein des Folkrock." Ganz genau - hier passt die Label-PR-Hymnik wirklich mal. "Good one - that was great", sagt Scott am Ende von "We Will Not Be Lovers" zufrieden. Und völlig zu Recht.


FAZIT: So respektabel es ist, dass Mike Scott als Solo-Künstler (besonders empfehlenswert: "Still Burning" von 1997) und mit seinen vielfach umbesetzten WATERBOYS immer wieder auch andere Wege einschlug - in der "Fisherman's Blues"-Phase war diese tolle Band auf einem, auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Nicht nur rein quantitativ, mit diesen sagenumwobenen knapp 400 Mehrspur-Tapes voller großartiger Musik - auch qualitativ. Ja, diese prachtvolle Archivalien-Box beeindruckt in jeder Hinsicht. Und macht glücklich.

Werner Herpell (Info) (Review 50x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Album 1 - "Atlantic Rain" (42:58)
  • Too Close To Heaven (Soul Version)
  • Come Back To Galway
  • The Man With The Wind At His Heels
  • And Then The Gods
  • Light Shine On Me
  • Endless Store
  • This Land Is Your Land (Studio Version)
  • Saints And Angels (1988 Version)
  • Album 2 - "Indian Summer" (42:29)
  • I Can't Feel At Home In This World Anymore
  • Knockin' On Heaven's Door
  • Honky Tonkin'
  • No Expectations
  • Whe Doves Cry
  • Angel Flying Too Close To The Ground
  • Killing My Heart
  • Bob And Anto's Soundcheck
  • We Will Not Be Lovers (Live Take)
  • Lost Highway (Double Version)
  • Album 3 - "Fisherman's Jam" (41:15)
  • The Good Ship Sirius/The Ship In Full Sail
  • Mister Saxman
  • The Waves
  • The Last Jam
  • Night Falls On Windmill Lane
  • Sgt Pepper's Lonely Hearts Club Band
  • Sgt Pepper's Lonely Hearts Club Band (Reprise)

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