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Henrik Freischlader: Recorded By Martin Meinschäfer (Review)

Artist:

Henrik Freischlader

Henrik Freischlader: Recorded By Martin Meinschäfer
Album:

Recorded By Martin Meinschäfer

Medium: CD
Stil:

Blues Rock

Label: Cable Car Records
Spieldauer: 74:01
Erschienen: 27.11.2009
Website: [Link]

Ich kann mich noch gut an die Diskussion mit einem Freund anlässlich HENRIK FREISCHLADERs Debütalbum -"The Blues" 2006- erinnern. Dieser warf dem damals 23-jährigen vor, bestenfalls ein gutes Abziehbild seiner Vorbilder zu sein. Mich ärgerte diese Aussage extremst. Nicht nur, weil "The Blues" in meinen Ohren mit das Beste war, was bis zu diesem Zeitpunkt bluesmäßig aus deutschen Landen zu hören gewesen war. Nein, es war schlichtweg sensationell, dass sich ein junger Mann aus der Welt-Blues-Metropole Wuppertal ;-) traute, mitten in "Einweg-Wegwerfmusik"-Zeiten ein Bluesalbum aufzunehmen, dass sich obendrein noch blendend verkaufte und somit deutlich machte, wie groß der Bedarf an gutem Blues-Rock in deutschen Landen war. HENRIK FREISCHLADER hat mittlerweile seinen Weg gemacht und mein Freund ist seitdem deutlich kleinlauter geworden.

2009 war eindeutig HENRIK FREISCHLADERs Jahr. Gigs mit B.B. KING und JOHNNY WINTER [meinen "Special Buddy" GARY MOORE vergesse ich einmal geflissentlich ;-)] und fleißiges Touren rückte den Wahl-Kieler einmal mehr ins Rampenlicht. Als krönenden Abschluss dieses erfolgreichen Jahres, legte Freischlader Ende November "Recorded By Martin Meinschäfer" vor. Dieser ungewöhnliche Titel ist eine einzige Hommage an den Ex-Sänger der Frankfurter Szeneband HOB GOBLIN, der mit seiner einfühlsamen Arbeit diesem Album seinen großartigen, warmen und natürlichen Sound bescherte.
"Recorded By Martin Meinschäfer" ist ein "echtes" Soloalbum geworden, d.h. HENRIK FREISCHLADER spielte ALLE Instrumente höchstpersönlich in Meinschäfers Megaphone Studios ein. Mit dieser Idee beschäftigte er sich schon seit Jugendtagen und sie brachte ihm zunächst logistische Probleme ein. Zu Beginn spielte Henrik die Drums ein - ein Instrument, das ihm wohlvertraut ist, auch wenn er sich nicht gerade als Virtuosen bezeichnet. Als nächstes kam der Bass an die Reihe, den er als wichtigstes Element der modernen Blues-, Jazz- und Rockmusik bezeichnet. Hier war es ihm wichtig, "simpel" zu spielen - sich einfach 'mal trauen, die Töne "stehen" zu lassen. Die folgenden Gitarrenspuren fielen dem gelernten Gitarristen natürlich am einfachsten. Zum Einsatz kamen neben seiner alten Gibson ES-345 die von der Bühne bekannte 63-er Strat und zwei Telecaster. Der Sound sollte so warm und direkt wie möglich sein und sich möglichst am Live-Sound orientieren, was man nur als äußerst gelungen bezeichnen kann. Dann kamen die Hammond B3 und die Percussions hinzu, die HENRIK FREISCHLADERs schütterem Haar so manche graue Strähne hinzufügten. Waren es bei der Hammond die Harmonien, so stellten ihn Microabstände und Anschlagtechniken bei den Percussions vor größte Herausforderungen. Zum Abschluss wurden dann die Vocals über das musikalische Gerüst gelegt. Hierbei kamen Roland-Mics zum Einsatz, die für ihren warmen Sound bekannt sind. Produziert hat Henrik erneut selbst - das Mixing und Mastering legte er in Martin Meinschäfers einfühlsame Hände (und Ohren)...

Gleich der Opener "I" schrubbt sich treibend in die Gehörgänge - spätestens nach den ersten Takten weiß man "blind": hier ist HENRIK FREISCHLADER am Werk. Der lässige Shuffle "So Damn Cool" bringt die vorliegende Mucke ziemlich genau auf den Punkt. Der erste Höhepunkt ist das clever arrangierte "Breakout" - in meinen Ohren der beste Song, den Henrik jemals aufgenommen hat. Die Ballade "In Your Arms" ist dagegen sicherlich Geschmackssache. Langsam und bissig ist "The Bridge" bevor Freischlader allen Weltschmerz des Lebens in den Slow-Blues "Cry Again" zu legen versteht. Eher traditionell gehts mit "The Wrong Way" und "Never Be True" weiter. "Bad Dreams" hatte ich bereits im Sommer am Saarbrücker Schloss in einer Bandversion hören können. Gleichberechtigt neben "Breakout" und "The Bridge" ist dieser Song für mich das Highlight des Albums. Die stille Akustiknummer "Your Love Of Mine" beendet knappe 75 Minuten besten Blues-Entertainments.

FAZIT: "Recorded By Martin Meinschäfer" ist für mich das beste Album, das HENRIK FREISCHLADER bis dato aufgenommen hat. Mir ist wichtig, dass es zu keinem Zeitpunkt überproduziert ist - jedes Instrument, jeder Ton sitzt an der richtigen Stelle, warm und direkt. Kaufen, genießen und weiterempfehlen!

Steve Braun (Info) (Review 6336x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • I
  • Got It Made
  • So Damn Cool
  • You Will Come
  • Breakout
  • In Your Arms
  • The Bridge
  • Cry Again (Like This)
  • The Wrong Way
  • Never Be True
  • Desert Love
  • Bad Dreams
  • Your Love Of Mine

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Charlie
gepostet am: 04.01.2010

User-Wertung:
15 Punkte

Erstmal vieken Dank für Deine Mühe eine Kritik zu schreiben! Aber warum kann man bei einem offensichtlichen Weltklasse-Album eines jungen deutschen Bluesmusikers nicht einfach mal amerikanisch-euphorisch sein und einfach mal 15 Punkte geben? Ist die deutsche Kritik genauso provinziell wie die Bluesscene? Hätte ein Joe Bonamassa dieses Album herausgebracht, würden wahrscheinlich erstmalig 16 Punkte vergeben! Der Prophet aus dem eigenen Land wird international durchstarten! Basta!
steve [musikreviews.de]
gepostet am: 05.01.2010

User-Wertung:
12 Punkte

Hey, Charlie! Kleine Gegenfrage: Wie war denn Deine Reaktion, wenn Du seinerzeit eine Schularbeit mit 12 Punkten benotet bekamst? Ich meine, das ist immerhin eine 2+!
Ab 10 Punkten beginnen für mich die richtig guten Bewertungen. Die 14 und 15 Punkte hebe ich mir grundsätzlich für sogenannte "Jahrhundertscheiben" auf. Das passiert höchstens zwei, drei Mal pro Jahr. Meine einzigen 15 Punkte bislang vergab ich an das neue GOV'T MULE-Album und ich finde, mit Fug und Recht.

Apropos Bonamassa: Das gewiss sehr gute "John Henry"-Album bekam von mir auch "nur" 13 Punkte. Diesen einen Punkt mehr würde ich mit der größeren stilistischen Bandbreite begründen. Und damit, dass Henriks Song "In Your Arms" bei mir nicht so recht prickeln will.

Ansonsten gehört Henrik Freischlader für mich eindeutig zur Top 3 unter den deutschen Bluesern... vielleicht ist er derzeit sogar der Beste.

...und, ääh, NICHT "Basta" ;-))
Liebe Grüße,
steve
Charlie
gepostet am: 05.01.2010

User-Wertung:
15 Punkte

Hallo Steve,
genau das ist ja das Problem: Ein Album ist eben keine Schularbeit! Ich weiß nicht, ob Du selbst Musik machst und das nachvollziehen kannst; wenn ein Musiker ein ureigenes Werk veröffentlicht - und in diesem Fall ist das Album ja vom ersten bis zum letzten Ton von Henrik geschrieben und alle Instrumente sind von ihm gespielt worden - ist das zuerst einmal Emotion pur, Gefühle, oder wenn Du so willst - im Idealfall "Seele in Töne verpackt" Und für sowas kann man keine Schulnoten verteilen, es sei denn, man sieht Musik als etwas Messbares - etwa Töne pro Sekunde...
Ein Bluesalbum wie "Recorded by..." kann mit solchen Kategorien nicht "gemessen" werden, es hat eine andere, wichtigere Dimension: Es berührt Dich in der Tiefe Deiner Seele - oder auch nicht! Und wenn es Dich berührt, ist diese Tatsache alleine 15 Punkte wert, zumal es in Deutschland nicht eben einfach ist als junger Bluesmusiker die Koordinaten, die für ein solches Album notwendig sind, zu erkennen und sie dann auch noch zu ordnen und auszuwählen!
Das kann man nicht hoch genug bewerten!
Liebe Grüße
Charlie
steve [musikreviews.de]
gepostet am: 06.01.2010

Was Du ansprichst, lieber Charlie, beschreibt sehr gut den Konflikt, den ich mit der "Benotung" von Musik habe. Eigentlich kann man Sinneseindrücke -und Gefühle schon garnicht- "benoten". Aber gut, so läuft das hier bei musikreviews.de nun einmal, das habe ich zu akzeptieren.
Andererseits weiß ich, dass viele Leser so ein Bewertungsschema wünschen. Und eine solche Wertung ist ja oftmals ein guter Aufhänger, um miteinander in die Diskussion einzusteigen, oder? ;-))

Ja, ich bin auch Blues-Musiker (Hammond, Fender Rhodes) -wenn auch weniger ambitioniert- und daher kann ich ermessen, wieviel "Herzblut" in solchen Aufnahmen steckt. Andererseits begebe ich mich als Musiker mit meinen Tonträgern in die Öffentlichkeit und möchte ja gerade "bewertet" werden. Zumal im internationalen Vergleich [schau nach USA oder UK] Musik zumeist nach Punkten bewertet wird. Ich glaube auch, dass Musiker mit Kritik viel "besser" umgehen können, als manchmal wir Fans... ;-))

Getreu dem alten Marketing-Grundsatz "any promotion is good promotion" ist es wichtig, dass über ein Album gesprochen/geschrieben wird. Gerade wir Onliner sollten talentierte Musiker aus unseren Breiten daher unterstützen! Nicht nur mit CD-Reviews sondern auch mit Konzertberichten und Interviews. Ich versuche, dies auch mit meinen täglichen News. Wenn ich irgendwo eine Nachricht über deutsche Musiker finde, kannst Du sicher sein, dass ich die auch sofort bringe.

Henrik Freischlader werde ich mit Sicherheit in diesem Jahr wieder live sehen und dann auch einen Konzertbericht online stellen... vielleicht auch ein Interview. In Saarbrücken 2009 war dies leider nicht möglich...

Und... by the way... Musik berührt mich manchmal ebenso tief wie anscheinend Dich. Von daher hat mir Dein Kommentar sehr, sehr gut gefallen und ich kann das im Prinzip nur unterstreichen!

Liebe Grüße,
steve
Nils [musikreviews.de]
gepostet am: 06.01.2010

Hallo, ich möchte nur kurz was zu den Punkten unter den Reviews sagen. Natürlich ist eine Benotung von Musik mehr als fragwürdig. Deswegen sollte man sich auf den Reviewtext konzentrieren und die Punkte als Dreingabe sehen für Leser, die solche Schemata wünschen. Aus ganz profaner Sicht sind solche Punkte für ein Magazin auch sinnvoll, um Ranglisten und Albumtipps generieren zu können. Inwiefern das wiederum sinnvoll ist, steht wieder auf einem anderen Blatt. ;-)

Viele Grüße,
Nils
Charlie
gepostet am: 06.01.2010

User-Wertung:
15 Punkte

Steve und allen Anderen ein herzliches Hallo!
Gut. Die Zensurenfrage wäre diskutiert. Es geht mir aber auch noch um ein anderes ur-deutsches Problem:
Einfach auf eine gesunde "patriotische" Art seine Freude und aufrichtige Anerkennung gegenüber offensichtlich von Gott oder weiß-ich-wievielen Musen geküßten Überfliegern zu erweisen, ohne auch nur einen Anflug von "Neid", der des Deutschen zweiter Vorname ist.
Ich meine nicht Dich Steve! Es ist ja schon mehr als löblich, das sich überhaupt jemand "kümmert". Ich meine diese latente Mißgunst auch und vor Allem in einschlägigen "Musikerforen" und sonstigen neuen Microkosmossen.
Warum kann man einen "Guten" aus den eigenen Reihen nicht einmal ohne Vorbehalte huldigen? Er hat es verdient - und wir brechen uns keinen Zacken aus der Krone! Im Übrigen: Bonamassas "John Henry" spielt schon alleine soundtechnisch, trotz LA oder werweißwas fürn Studio und dickem Budget zwei Klassen tiefer als "recorded by..."
Meine Meinung!
Blaue Grüße
Charlie
steve [musikreviews.de]
gepostet am: 07.01.2010

Hey, Charlie!
Irgendwie muss ich grinsen... Das Phänomen, das Du beschreibst, ist Anlass zur Belustigung all unserer nationalen Nachbarn. Ich wohne an der französischen Grenze und muss mir oft sarkastische Bemerkungen zu "unserer" Selbstzerfleischung anhören. Hat das Ganze irgendwie mit zwei verlorenen Weltkriegen und dem Holocaust zu tun? Und da ist ja noch diese berüchtigte "german angst"... ;-)))
Irgendwie sind wir doch ein Volk von Neurotikern... ;-)

Andererseits sehe ich mich persönlich eher als Weltbürger... Für mich macht es keinen Unterschied, ob die Mucke aus Deutschland oder Timbuktu stammt, solange es verdammt gut bluest...
Dass Henrik Freischlader in die internationale Blues-Liga gehört ist unbestreitbar. Ich bin sicher: Der macht seinen Weg. Soll er doch einfach 'mal wie CRAZY CHRIS KRAMER ins Mutterland, die USA, gehen... Mit seinem akzentfreien Englisch wäre er ein exzellenter Botschafter des Blues aus deutschen Landen.
Zudem hat sich die "Qualität" deutscher BLUESFANS längst bis nach den US 'rumgesprochen. Man kommt gerne und oft nach Deutschland - weiß um das exzellente Bluesverständnis deutscher Bluesfans.

In diesem Sinne: Tiefblaue Grüße,
steve
Jürgen
gepostet am: 24.01.2010

User-Wertung:
15 Punkte

Bleibt locker, Leute.
Das Album ist mit das Beste, was je aus deutschen Landen gekommen ist. Im Gegensatz zu meinem Vorredner ist "In Your Arms" einer meiner Favorites mit hohem Hitpotential. Daher eine glatte 14+ ... mindestens.
Im Gegensatz zu vielen nachgemachten Bluesern lebt und atmet Henrik durch seine Gitarre, jeder Ton ist authentisch.
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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