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Krachmanifest: Ausgabe 1 (Review)

Artist:

Krachmanifest

Krachmanifest: Ausgabe 1
Album:

Ausgabe 1

Medium: Buch
Stil:

Death / Black Metal & Grindcore

Label: Eigenveröffentlichung
Spieldauer: 88 Seiten
Erschienen: 2017
Website: -

Nach langjährigem Einsatz für einige Metal-Fanzines alter Schule legen meine ehemaligen Hammerheart-Kollegen Katja und Rayk nun mit dem KRACHMANIFEST ihr erstes eigenes Heft vor. Die 88 DinA4-Seiten starke Schwarte wird vor allem Anhängern finster-derben Krawalls die Spucke im Mund zusammenlaufen lassen, denn der Name des Printmediums kommt nicht von Ungefähr: hier drücken sich vor allem jene Krachschläger die Klinke in die Hand, denen eine etwaige Verweichlichung von Mucke und Szene am pickeligen Hintern vorbeigeht und die auf das volle Brett schwören.

Die Stärke eines Fanzines liegt bestenfalls darin, mehr in Erfahrung zu bringen, als es in "professionellen" Musikmagazinen die Regel ist, weil genügend Raum für Fragen und Antworten abseits von (seien wir mal ehrlich: eher langweiligen) "selling facts" bleibt. Ausführliche Gespräche wie die mit Wode, Graveyard, Cryptic Brood oder Rødel Records sind in dieser Länge z.B. selbst im Fanzine-ähnlichen Deaf Forever eher eine Ausnahme, und werden Old School Maniacs sicher fesseln. So reflektiert Javi von Graveyard nicht nur die hoch empfundenen Herausforderungen für eine spanische Band im internationalen Vergleich, sondern resümiert seine eigene Arbeit als Fanzine- und Magazin-Schreiber, die ihn nach 18 Jahren ausbrennen ließ. Das Interview mit der türkischen Band Sarinvomit erweckt nicht nur den Anschein, dass Sänger "Tyrannic Profanator" beim Aufstellen eines Black-Metal-Phrasenschweins selbst etwaige Nachkommen in tiefe Schulden stürzen würde, sondern dass die blasphemischen Rabauken vor allem bald Asyl beantragen dürften, sollte ihnen ihre künstlerische Freiheit etwas wert sein… Im Kontrast zu so viel Tod und Teufel veranschaulicht Keule von Rødel Records, wie sich eine recht große Unabhängigkeit und Prinzipientreue im Underground verwirklichen lässt – beeindruckend offenherzig erzählt. Ungleich reservierter hat Lars von Sun Worship Katjas Fragen beantwortet, so dass die Lektüre kaum erhellend ist – dem Leser bleibt das im KRACHMANIFEST nur selten aufkommende Gefühl, einer lästigen Pflichtübung beizuwohnen. Der Kontrast zu den übrigen Artikeln verdeutlicht, mit wie viel Enthusiasmus hier die meisten ans Werk gegangen sind.
Gewürdigt werden auch zahlreiche Underground-Konzerte und -Festivals, bei denen die beiden Schreiber wahlweise aus der ersten Reihe, aus dem Mosh-Pit oder von der Theke berichten. Die Einflechtung persönlicher Vorlieben nebst Einblicken in Trink- und "Tanz"gewohnheiten ist sicher nicht jedermanns Sache, und macht doch auch irgendwie den Charakter eines Fanzines aus. Und es gehört schon was dazu, einen Mieseprim wie mich dazu zu bringen, sich für eine Veranstaltung wie das "Masters of the Unicorn" Open Air zu interessieren, doch der Bericht und das dazugehörige Interview mit den Veranstaltern wecken selbst meine Neugier.

FAZIT: Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um heutzutage überhaupt noch ein solches Printzine aus dem Boden zu stampfen, doch Katja und Rajk ist der Spaß am Schreiben über "ihre" Musik von der ersten bis zur letzten Seite anzumerken, und es scheint, dass sie über ihre eigenen Macken auch problemlos schmunzeln können. Anders kann ich mir – Fanzine-Bande hin oder her – nicht erklären, dass ich auch jene Interviews mit Bands, die mich musikalisch kaum interessieren, gerne gelesen habe, denn die beiden fragen mit spürbarem Interesse an ihrem Gegenüber nach. Schön zu lesen ist auch, dass die meisten Musiker und Freaks diese Herangehensweise zu schätzen wissen und sich entsprechend Zeit genommen haben. Bahnbrechend Neues wird wohl niemand von einer DIY-Publikation mit dem Namen KRACHMANIFEST erwarten, doch wer gerne wie früher schmökert (so ein bisschen erinnert mich das Heft an das "Kult" Fanzine aus den frühen Neunzigern), der kann drei Euro (plus Porto) kaum sinnvoller anlegen, um sich über abgründigen Death Metal, Grindcore und ähnlichen Krach zu informieren. Bestellungen gehen an: KRACHMANIFEST@gmx.net

Thor Joakimsson (Info) (Review 2501x gelesen, veröffentlicht am )

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