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Prefab Sprout: Swoon (1984) – Remastered Vinyl Edition (Review)

Artist:

Prefab Sprout

Prefab Sprout: Swoon (1984) – Remastered Vinyl Edition
Album:

Swoon (1984) – Remastered Vinyl Edition

Medium: LP+DL-Code
Stil:

Art Pop, Singer/Songwriter

Label: Sony Music
Spieldauer: 38:08
Erschienen: 27.09.2019
Website: [Link]

Das waren noch Zeiten, als die Musik von PREFAB SPROUT nicht so einen langen Bart hatte wie heute ihr Band-Kopf Paddy McAloon, dem „Die Zeit“ sogar den durchaus passenden Titel „Professor Pop“ verlieh.

Darum hier eine 35-jährige Rückblende in das Jahr, welches George Orwell mit seinem utopischen Zahlendreher schon in einer apokalyptischen Zukunftsvision heraufbeschwor: 1984 – ein Jahr, in dem auch das erste Album mit dem schicksalsschwangeren Titel „Swoon“ (Ohnmacht) von den bereits im Jahr 1977 gegründeten PREFAB SPROUT erschien. Eine damals junge Band, die in ihrer außergewöhnlichen Pop-Musik textlich durchaus Orwell-ähnliche Szenarien heraufbeschwören konnten und dadurch zu einer ganz besonderen Pop-Größe wurde, welche sich zwischen Bob Geldofs BOOMTOWN RATS, Morrisseys SMITHS und Paul D. Heatons HOUSEMARTINS bzw. THE BEAUTIFUL SOUTH bewegten.

Endlich und glücklicherweise scheint die Zeit nunmehr reif dafür zu sein, die schwer beeindruckenden Pop-Frühwerke von PREFAB SPROUT bei Sony Music neu gemastert als 180g-Vinyl-Versionen zu veröffentlichen und der Pop-Nachwelt unwiderruflich damit zu beweisen, dass diese britische Pop-Band, die sogar Jazz und New Wave zu mischen vermochte, mit zum Besten gehört(e), was der Brit-Pop jemals hervorbrachte – die BEATLES natürlich unmittelbar mit eingeschlossen.

Im Rahmen der Sony-Veröffentlichungsoffensive darf man sich ab sofort auf die drei Album-Klassiker „Swoon“ (1984), „From Langley Park To Memphis“ (1988) und „Jordan: The Comeback“ (1990) als neu durch Calum Malcolm gemasterte Vinyl-Versionen freuen. Außerdem erscheint weiterhin die ebenfalls remasterte Greatest-Hits-Sammlung „A Life of Surprises: The Best Of“ aus dem Jahr 1992. Die Brüder und Bandgründer Paddy und Martin McAloon wirkten federführend an der Umsetzung des Projekts inklusive Remastering, Artwork sowie der Auswahl neuer Fotos mit.

„Swoon“, das ohnmächtige Album-Debüt, ist im Grunde aus heutiger Sicht schon ein einzigartiger Pop-Paukenschlag, denn hier werden von den Gebrüdern McAloon und Schlagzeuger Graham Lant sowie der richtig sexy klingenden Background-Stimme, die durchaus auch mal in den vokalen Vordergrund tritt, von Paddys Exfreundin Wendy Smith zart angejazzte, romantisch Pop-Melodien mit Synthie-Sounds und ganz viel Akustik zu einem berauschenden Midtempo-Spektakel vereint, welches mit poetisch-nachdenklichen Texten veredelt wird, die allerhöchste Ansprüche erfüllen: „Words are trains for moving past what really has no name“ – definitiv eine der schönsten Zeilen, die je in der Pop-Musik das Licht der so oft extrem banal gestrickten Welt erblickte.

Im Endeffekt ist das hochwertig in der original gestalteten aufklappbaren LP-Hülle, in deren Inneren alle Texte abgedruckt sind, veröffentlichte Debüt-Album „Swoon“, welches in den britischen Charts sofort auf Platz 22 einstieg, eine komplexe Sammlung von großartigen, im Laufe von sieben Jahren verfassten Songs, die zwar alle Hitpotenzial besitzen, aber trotzdem in unseren Breiten, die sich damals mit der Neuen Deutschen Welle einen auf der Tanzfläche abwedelten, keine sonderliche Aufmerksamkeit erfuhren.
Allerdings outete sich ganz schnell ein ELVIS COSTELLO als großer Freund der Musik und Texte von PREFAB SPROUT, coverte „Cruel“ sogar, was zur Folge hatte, dass die jungen Band bereits im Dezember des gleichen Jahres für Costello mehrere Konzerte eröffneten und man ihr sogar den Spitznamen „Costellos kleine Band“ verpasste.

Bei Erscheinen des Albums beschrieben viele Kritiker die Musik darauf als eigenwillig oder im spanischen Rockmagazin Rockdeleux als „eine Sammlung von atemlosen Versen und knackigen Rhythmen mit lebhaftem Akustikgitarren-Funk“, während das britische Teen-Magazin Smash Hits von „verdrehten Rhythmen und seltsam wehmütigen Akkorden“ sprach. Auch die Liebe der McAloon-Brüder zu DAVID BOWIE, PAUL McCARTNEY, BURT BACHARACH und STEELY DAN ist unüberhörbar, genauso wie die Nähe zu den großartigen, im gleichen Jahr wie PREFAB SPROUT gegründeten, SIMPLE MINDS.

Das hohe literarische Niveau der Songs beginnt bereits beim Album-Opener „Don‘t Sing“, zugleich als erste Single ausgekoppelt, der sich direkt auf GRAHAM GREENs Novelle „The Power And The Glory“ bezieht.
Mit „Cruel“, einer schaurig-schönen, deutlich an THE BEAUTIFUL SOUTH erinnernde, Ballade, folgt ein weiterer Song, mit dem das britische Quartett intensive mediale Aufmerksamkeit zu erhalten versuchte und der sogar durch ELVIS COSTELLO gecovert wurde.
Auch in den folgenden Album-Songs sind immer wieder Green-Bezüge zu entdecken, wie beispielsweise bei „Cue Fanfare“, der sich mit dem amerikanischen Schachgroßmeister BOBBY FISCHER auseinandersetzt, der 1972 in einem legendären Schachturnier den russischen Schwachweltmeister BORIS SPASSKY besiegte, was zu einer medialen, kaltkriegerischen Ausschlachtung des Turniers und im positiven Sinne diesem grandiosen Stück Musik mit kritisch-historischem Hintergrund führte.

Ein absolutes Kuriosum sind die LP-Linernotes, welche sich, zusätzlich zu den Texten, ebenfalls im Inneren der aufgeklappten LP-Hülle befinden und von einer imaginären Emma Welles verfasst wurden, die voller Leidenschaft (hier einmal frei ins Deutsche übersetzt) das Album in den höchsten Tönen lobt:
„Als sie mich baten, eine Einführung zu ihrer LP zu schreiben, dachte ich mir – kurz, bündig uns aussagekräftig muss ich alles formulieren und genau das zum Ausdruck bringen, was die Band selbst mit ihrer Musik auszudrücken beabsichtigt, wie: ‚Worte sind die Züge in die Vergangenheit, die bisher noch keinen Namen hat.‘ Auf dem Album sind Songs, die aus der Not geschrieben wurden. Genau so klingt ‚Swoon‘. Aber das erschien mir dann doch etwas zu abgefahren zu sein, und sowas mögen die Musiker gar nicht. Wie auch immer, es ist jetzt spät und ich höre mir die Musik zum x-ten Mal an. Mein Mann ist vor einer Stunde ins Bett gegangen – nicht weil er irgendetwas gegen die Sprouts hätte, aber er muss morgen früh aufstehen. Doch auch für die nächsten vierzig Minuten werde ich mich ihm nicht anschließen. Das ist ‚Swoon‘.“
Und welch eine Überraschung!
Lange Zeit später stellte sich heraus, dass die gute Emma ein Pseudonym von Paddy McAloon und damit der Plattentext von ihm war.

„Swoon“, das sind nicht nur wunderschöne Pop-Melodien für die Ohren, sondern auch vertonte Poesie mit nachdenklichen Hintergründen für das Hirn! So wird das 1984er-Debüt-Album von PREFAB SPROUT zu einem der besten Debüts aller Zeiten, selbst wenn viele „Swoon“ noch nicht einmal entdeckt oder in ihrer Plattensammlung haben, dafür aber die ewig gleichen, altbekannten Scheiben auf ihre Debüt-Bestenliste setzen. Also – bitte um „Swoon“ erweitern, empfiehlt jedenfalls der Kritiker, der zu diesem FAZIT kommt und seine Freude über die hochwertig remasterte „Swoon“-Neuveröffentlichung nicht verhehlen kann.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 529x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (17:42):
  • Don‘t Sing (3:51)
  • Cue Fanfare (4:04)
  • Green Isaac (3:31)
  • Here On The Eerie (3:58)
  • Cruel (4:18)
  • Seite B (20:26):
  • Couldn‘t Bear To Be Special (3:44)
  • I Never Play Basketball Now (3:38)
  • Ghost Town Blues (3:19)
  • Elegance (3:44)
  • Technique (4:36)
  • Green Isaac II (1:25)

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