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Van Der Graaf Generator: H To He Who Am The Only One (1970) – Deluxe Vinyl Edition (Review)

Artist:

Van Der Graaf Generator

Van Der Graaf Generator: H To He Who Am The Only One (1970) – Deluxe Vinyl Edition
Album:

H To He Who Am The Only One (1970) – Deluxe Vinyl Edition

Medium: LP/Remaster
Stil:

Progressive- und Jazz-Rock, Kult

Label: Virgin Records/Universal Music
Spieldauer: 47:15
Erschienen: 08.04.2022
Website: [Link]

was sicher alle Freunde dieser charismatischen und zugleich extrem abwechslungsreichen sowie experimentellen britischen Progressive-Rock-Band große Freude bereiten wird.
Erst kam 2021 die riesige Box mit den Alben und Unmengen von Bonus-Aufnahmen ihrer Charisma-Jahre von 1970 – 1978 auf den Markt, dann folgten nur kurze Zeit später 3-Disc-Editionen, von denen eine immer eine DVD mit dem 5.1-Surround-Sound-Album-Mix war, der Alben „H To He Who Am The Only One“ + „Pawn Hearts“ + „Godbluff“ + „Still Life“ und nun endlich kommt auch die Deluxe-Vinyl-Auflage genau dieser vier LP's, wiederum direkt von den originalen Aufnahmebändern speziell für Vinyl remastert, heraus.

„H To He Who Am The Only One“ klingt nunmehr nicht nur fantastisch (Das Remaster erfolgte direkt von den Original-Masterbändern und besticht durch großartige Stereo-Effekte!), sondern es entfaltet sich endlich wider auf Gatefold-LP-Cover-Größe das beeindruckende Kunstwerk von PAUL WHITEHEAD, der übrigens auch die frühen GENESIS-Cover illustrierte, auf der Front- und Doppel-Innenseite (zwei Hände im All) in seiner ganzen Schönheit. Auf der Rückseite findet man zudem die kompletten Lyrics.

Natürlich sind die geheimnisvollen, mitunter gespenstischen Texte, die allesamt von PETER HAMMILL geschrieben worden waren, wieder ein ganz besonderes Erkennungszeichen der VDGG-Musik, die mit extremen Stimmungswechseln aufwartet, welche die zugleich wilden Textwendungen kontrastreich illustrieren, während Hammill mit seiner unnachahmlichen Art, einem (Musik-)Geschichtenerzähler ähnlich, singt, kreischt, grummelt, trauert, röhrt…
Hierbei entpuppt sich zum Beispiel der „Killer“, mit dem das Album eröffnet wird, als ein Hai im Ozean, der dadurch vereinsamt, weil er alles um sich herum tötet.

Ein ebenso unangenehmer Zeitgenosse, allerdings nicht aus dem Tier- sondern Menschen-Reich, begegnet uns in dem dritten, die LP-A-Seite abschließenden Longtrack als „The Emperor In His War Room“, zu dem noch dazu KING CRIMSON-Mastermind ROBERT FRIPP einen Gastauftritt an der Gitarre beisteuert. Dieser fiese, von Hammill regelrecht brutalst geschilderte und besungene Herrscher ist ein erbarmungsloser Tyrann, der wahllos in seinem Kriegszimmer – das im Grunde einem Bunker oder Kerker sehr ähnlich erscheint – Menschen foltert, von diesen aber später heimgesucht und in seinem zerstörerischen Zimmer eingesperrt wird, während die letzte Zeile im Raum stehen bleibt, bis die Endlosrille uns wieder aus dem Grauen befreit: „Live in peace or die forever in your war-room!“
Ob der ehemalige KGB-Scherge und derzeitige Kriegstreiber Putin wohl diesen Song kennt? Vielleicht ein weiser Vorausblick zu dem, wie sich sein Krieg gegen die Ukraine entwickeln wird…

Zwischen den beiden längeren Stücken befindet sich mit „House With No Door“ nicht nur das kürzeste – aber trotzdem auf gut sechseinhalb Minuten kommende – Stück, sondern auch das ruhigste. Hammill hatte es am Klavier komponiert, während sich der Text zwar nicht offensichtlich, aber mit etwas Fantasie gehört, wohl um einen Autisten dreht, der große Schwierigkeiten hat, Freundschaften zu schließen oder überhaupt zu anderen Menschen Kontakt aufzunehmen und sich stattdessen in seinem „Haus ohne Türen“ verbarrikadiert, obwohl sein größter Wunsch darin besteht, dass ihn jemand aus diesem 'Haus' befreit: „Won't somebody help me….?“
Ein rundum bedrückender Song, der an Intensität kaum zu übertreffen ist, wobei Hammill wieder Meisterhaftes leistet, auch weil er das Stück komplett aus der Ich-Perspektive singt.

Die LP-B-Seite enthält zwei sehr epische Longtracks.
„Lost“ ist hierbei der geradlinigste, recht rockige Song, der sich um eine verlorene Liebe dreht und tragisch endet, da 'durch einen Schleier von Tränen und mit blutendem Herzen' am Ende die Erkenntnis steht, dass diese Liebe nicht endet, auch wenn die Trennung vollzogen ist. So wird dieses letzte „I love you“ nicht zur Bekundung der Liebe, sondern Ausdruck der puren Verzweiflung und ein weiterer Beweis dafür, dass Hammill nicht zu den wahren Frohnaturen gehörte, die auch gerne mal ein oder zwei Prisen echten Optimismus mit in ihre Liedtexte packen.

Hierfür spricht natürlich auch der letzte, mit fast 13 Minuten zugleich längste Song „The Pioneers Over C“, an dem auch Saxophonist DAVID JACKSON mitschrieb, was sich selbstverständlich auf die intensiven Saxophon-Anteile dieses Stückes auswirkt. „The Pioneers Over C“ sind Astronauten, denen es gelingt, schneller als in Lichtgeschwindigkeit zu reisen, wodurch sie in diesem futuristischen Text in eine Zeitlosschleife geraten und ihren eigenen Tod miterleben, wobei ihnen zudem eine Rückkehr zur Erde versperrt bleibt. Bereits wie in „House With No Door“ geht es thematisch wiederum um Isolation, Angst und Einsamkeit – drei der immer wiederkehrenden Probleme innerhalb von Hammills Texten.

Schön, dass es dieses Album-Highlight der VDGG-Karriere als LP in genau der gleichen Gestaltung (kunstvoll gestaltetes Gatefoldcover mit doppelseitigem Whitehead-Kunstwerk im Innenteil und alle Texte auf der Rückseite) wie vor 52 Jahren gibt. Der Sound vom schwarzen Vinyl erhielt endlich auch ein gelungenes Remaster direkt von den Master-Tonbändern und holt aus der extrem komplexen Musik und jeder hochwertigen Anlage das letzte heraus. Ein moderner Retro-Genuss, ohne die alten (Klang-)Zeiten zu verfremden, sondern alle Details akribisch zu betonen.

FAZIT: Als VAN DER GRAAF GENERATOR im Jahr 1970 ihr komplex-progressives Meisterwerk „H To He Who Am The Only One“ veröffentlichten, begeisterte es neben der Musik, die allerdings vom LP-Sound her noch nicht perfekt ausgefeilt war, auch durch die gelungene Cover-Gestaltung. Mit „H To He Who Am The Only One (1970) – Deluxe Vinyl Edition“ wird nun das großartige Gatefoldcover in hochwertig-kunstvoller Gestaltung beibehalten und die Musik durch ein gelungenes Remaster genau in den Sound-Kontext gesetzt, den dieses progressive Vorzeige-Album, an dem sogar ROBERT FRIPP von KING CRIMSON mitwirkt, wahrhaft verdient hat.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1425x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Seite A (23:16):
  • Killer (8:24)
  • House With No Door (6:37)
  • The Emperor In His War Room (8:15)
  • * The Emperor
  • ** The Room
  • Seite B (23:59):
  • Lost (11:17)
  • * Dance In Sand And Sea
  • ** Dance In Frost
  • Pioneers Over C (12:42)

Besetzung:

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