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Exhorder: Defectum Omnium (Review)

Artist:

Exhorder

Exhorder: Defectum Omnium
Album:

Defectum Omnium

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Thrash Metal

Label: Nuclear Blast / Believe
Spieldauer: 54:22
Erschienen: 08.03.2024
Website: [Link]

Der Star auf "Defectum Omnium" ("das Scheitern/Versagen aller") ist zweifelsohne Sänger und nun auch Gitarrist Kyle Thomas. EXHORDERs zweites Album nach ihrer Wiedervereinigung vor sieben Jahren vereint alle Elemente des Bandsounds mit kompositorischer Reife, inhaltlichem Anspruch und einem immer noch spürbaren Hunger, der einige jüngere Thrash-Semester vergleichsweise behäbig und satt aussehen lässt.

Thomas sang nie besser als heute, stemmte nach Marzi Montazeris Ausscheiden weite Teile des Songwritings und entpuppt sich als ausgezeichneter Riff-Meister. Man sieht sich zu der Vermutung verleitet, EXHORDER und Kyle Thomas seien ein und dasselbe, ohne die Beiträge seiner Mitstreiter schmälern zu wollen. Gerade Neuzugang Pat O'Briens (Nevermore, Cannibal Corpse) Leads sind eine Bereicherung, gleichzeitig als seine identifizierbar und trotzdem in der Bandtradition stehend. Gastauftritte von Rick Wartell und Bruce Franklin von Trouble (wo Kyle ja ebenfalls singt) hätte es da im Grunde nicht gebraucht, aber viel hilft viel, nicht wahr?

Was der Platte einzig und allein fehlt, sind die schnell fassbaren Hits der Frühphase der Gruppe - aber braucht der Fan so was unbedingt? Zeitgenössischer Thrash krankt gerade daran, dass seine Schöpfer plump mindestens 30 Jahre alte kompositorische Schablonen anlegen und man ihr Treiben daher schnell durchschaut. Anders EXHORDER 2024: Selbst relativ simples Gehämmer wie 'Divide and Conquer' oder 'Desensitized' birgt den cleveren Teufel im Detail, und falls noch jemand Blastbeats als uninspiriert empfindet, sollte sich Power-Trommler Sasha Horns Umgang damit (etwa in der fetten Single 'Year of the Goat') aufmerksam anhören.

Der altvertraute Hardcore-Einschlag spiegelt sich am anschaulichsten in den an für sich weitläufigen Tracks 'Wrath of Prophecies' und 'Forever and Beyond Despair', aber auch während des kurzen 'Sedition' wider. Thomas' unnachahmliche melodische Hooks bereichen solche Stücke genauso wie die komplexen Groover 'Under the Gaslight' und 'Lacing the Well', wobei zermürbende Downtempo-Parts die flott aggressive Grundausrichtung regelmäßig kontrastieren und somit auch intensivieren.

Als Freund von Alben im ursprünglichen Sinn begeistert man sich außerdem für die klug festgelegte Song-Reihenfolge: "Defectum Omnium" ist eindeutig in eine schneller fassbare A- und eine quasi experimentelle B-Seite mit typischen Sleepern/Growern unterteilt, die nicht nur tendenziell länger dauern, sondern auch länger brauchen, um ihre Klasse zu offenbaren. 'The Tale of Unsound Minds', 'Your Six' und 'Stolen Hope' - nahezu reine Doom-Nummern - setzen diesem starken Alterswerk (darf man das schon sagen?) das i-Tüpfelchen auf.

Und noch einmal Thomas: Gerade hier degradiert sein kraftvoller, klarer Vortrag Panteras/Downs Phil Anselmos (der seinen Stil ja der Legende nach von Kyle "entlehnt" hat) sicherlich wieder stärkere Performances in jüngerer Zeit zu geriatrischem Genuschel. Und seine hintersinnigen, aber dennoch ungebrochen angepissten Songtexte ("In the year of the goat I'm a fucking ram") machen dieses in einem allseits defätistischen Klima letzten Endes wohltuend erhebend wirkenden Stück Musik für die breite Masse umso unbequemer.

Ob Produzent Jens Bogrens Hi-Fi-Ansprüche hundertprozentig zu den Louisiana-Sumpflingen passt, sei dahingestellt - zumindest marschiert "Defectum Omnium" soundtechnisch nicht im Gleichschritt mit dem Gros der Thrash-Mainstream-Releases in jüngerer Zeit, und der originäre Klangcharakter der Band bleibt jederzeit erhalten.

FAZIT: Die EXHORDER-Reunion 2017 erweist sich auf Platte zum zweiten Mal als Glücksfall für die Metal-Szene. Die Band stellt nach wie vor eine ungeheuer wertvolle Nuance im Thrash-Einheitsbrei dar, der anscheinend nur die deutsche Spielweise oder die amerikanische Ost- (Anthrax, Overkill) beziehungsweise Westküsten-Schule (Bay Area) kennt. "Defectum Omnium" fehlt wie seinem Vorgänger "Mourn the Southern Skies" die jugendliche Unmittelbarkeit der ersten beiden LPs der Gruppe, doch Thrash mit Tiefgang ohne Prog geht echt nicht besser.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 1138x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • 1. Wrath of Prophecies
  • 2. Under the Gaslight
  • 3. Forever and Beyond Despair
  • 4. The Tale of Unsound Minds
  • 5. Divide and Conquer
  • 6. Year of the Goat
  • 7. Taken by Flames
  • 8. Defectum Omnium / Stolen Hope
  • 9. Three Stages of Truth / Lacing the Well
  • 10. Sedition
  • 11. Desensitized
  • 12. Your Six

Besetzung:

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