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Coheed And Cambria: Year Of The Black Rainbow (Review)

Artist:

Coheed And Cambria

Coheed And Cambria: Year Of The Black Rainbow
Album:

Year Of The Black Rainbow

Medium: CD
Stil:

Progressive Rock

Label: Roadrunner Records
Spieldauer: 54:18
Erschienen: 09.04.2010
Website: [Link]

Langsam heißt es für die Fans von COHEED AND CAMBRIA Abschied nehmen. Nicht von der Band an sich, diese wird weiter existieren, aber von der bisher alles umspannenden Science-Fiction-Saga “The Amory Wars”. Konnte man sich bei Erscheinen des die Geschichte abschließenden, vierten Albums “No World For Tomorrow” noch mit der Aussicht auf ein Prequel trösten, erscheint nun dieser letzte Teil des Puzzles in Form von “Year Of The Black Rainbow”. In den USA ist sogar eine Deluxe Edition inklusive eines ganzen Romans erhältlich, der die Vorgeschichte erzählt.

Wer nun glaubt, das inhaltliche Prequel sei für COHEED AND CAMBRIA Grund, zurück zum Sound ihres ersten Albums zu gehen, sieht sich getäuscht. Abgesehen vom Intro, das eine ähnlich gespenstische Klaviermelodie bietet wie “Second Stage Turbine Blade”, gibt es eigentlich kaum Parallelen, im Gegenteil: Zwar besitzt die Band natürlich ihren einzigartigen Stil, dies hält sie jedoch nicht davon ab, sich selbst und ihre Fans herauszufordern. Waren es beim letzten Album noch eher die Radio-tauglichen Nummern wie die erste Single, die mit Pop-Appeal überraschten, geht die Band dieses Mal den umgekehrten Weg. Es herrscht eine düstere Stimmung vor, die für fröhliche Sing-Along-Refrains nur wenig Platz bietet. Zudem klingt “Year Of The Black Rainbow” über weite Strecken progressiver und komplexer als früheres Material. Vor allem Drummer Chris Pennie darf endlich auf einem Studioalbum der Band seine Qualitäten zeigen, und seine Kollegen gehen stellenweise ebenfalls etwas technischer zu Werke. Aber auch der erneute Produzentenwechsel hinterlässt deutliche Spuren. Prinzipiell sorgen Atticus Ross und Joe Barresi, die u.a. schon mit solchen Namen wie NINE INCH NAILS oder TOOL gearbeitet haben, für einen guten Sound. Allerdings lenken sie nicht etwa den Fokus auf die eingängigen Gesangsmelodien oder konzentrieren sich auf eine fette Klangwand, sondern stellen alle Elemente der Band und alle musikalischen Details gleichberechtigt dar. So wird sowohl die hervorragende und verspielte Bass- und Schlagzeugarbeit hörbar gemacht, als auch die Tatsache, dass COHEED AND CAMBRIA eine echte Zwei-Gitarren-Band sind. Fast immer gibt es auf dem rechten und linken Lautsprecher verschiedene Melodien und Riffs zu entdecken. Zusätzlich kommt auf diesem Album noch verstärkt eine elektronische Komponente hinzu: Soundverfremdungen, Verzerrungen und merkwürdige Geräuschkulissen sorgen an einigen Stellen für einen dezenten Industrial-Touch. Letztendlich stellt sich nach dem ersten Schock heraus, dass solche Elemente nicht überhandnehmen, trotzdem bewirken all diese Produktionsdetails, dass “Year Of The Black Rainbow” zunächst etwas sperrig wirkt, an einigen Stellen gar ein wenig chaotisch. Spätestens mit diesem Album kann auch kein Zweifel mehr daran bestehen, dass man COHEED AND CAMBRIA eigentlich nur noch als Progressive Rock im wahrsten Sinne des Wortes bezeichnen kann, geistig verwandt mit einer Band wie PAIN OF SALVATION, die sich ihrerseits in keine Schublade stecken lässt.

Doch beginnen wir von vorne: “The Broken” eröffnet das Album noch in gewohnter Manier, eine sich kraftvoll aufbäumende, einschwörende Hymne, ein ähnlicher Auftakt wie bei den Vorgängern. Dann jedoch folgt mit “Guns Of Summer” das erste Stirnzunzeln. Seltsames Synthie-Geblubber und technisches Gefrickel sorgen für Klangchaos, in dem der Gesang zu versinken droht. Doch auch bei wiederholtem und näherem Hinhören kann der Song nicht wirklich überzeugen. Es fehlt an den großen Melodien, die man hier anscheinend der Experimentierfreude geopfert hat. Wenn dann “Here We Are Juggernaut” mit starken Verzerrungen und blechern hämmerndem Schlagzeug beginnt, meint man endgültig, aus Versehen einem DEPECHE-MODE-Remix zu lauschen. Wie so oft auf diesem Album entpuppt sich der Track aber unter der Sound-Oberfläche tatsächlich als eher typisch für COHEED AND CAMBRIA, inklusive eingängigem Refrain. Spätestens mit dem folgenden “Far” wird klar, dieser Produktionsansatz möchte gar keinen einheitlichen Klang schaffen, jeder Song bekommt eine andere Spielerei verpasst. Bei diesem eigentlich ruhigen, sehr melodischen und entspannten Track sorgt ein stark verfremdeter Drumsound für den gewissen Effekt. Eventuell kommt das Schlagzeug in diesem Fall sogar komplett aus dem Computer, wofür auch das im Gegensatz zur sonstigen Performance sehr simple Spiel sprechen würde.

Der Wendepunkt kommt in der Mitte des Albums in Form eines weiteren schweren Brockens. “The Shattered Symphony” klingt vertrackt und düster, verzichtet aber weitestgehend auf elektronische Sounds, stattdessen sorgen schwere Metal-Riffs in Verbindung mit der emotionalen, fesselnden Stimme von Claudio Sanchez für große Dramatik. Auch die Melodieführung wirkt anders, als man es bisher von der Band gewohnt war, weniger fröhlich, stattdessen dunkler und unheimlicher. Tatsächlich stellt der Track nach vielen Durchläufen einen der absoluten Höhepunkte des Albums dar.

Danach sorgen COHEED AND CAMBRIA erstmal für Entwarnung bei den Fans: Das treibende, leicht an Indie-Pop-Punk erinnernde “World Of Lines” hätte tatsächlich auch auf jedem anderen Album stehen können, klingt aber vielleicht gerade deswegen etwas weniger aufregend. Dennoch ein gelungener, sehr eingängiger und mit spielerischen Feinheiten gespickter Track. Auch das eher getragene “Made Out Of Nothing” versprüht wieder das typische Flair der Band: musikalisch verspielt und doch geradlinig, große Emotionen, melancholische Gesangsmelodien und diese gewisse Dramatik. Es folgt mit “Pearl Of The Stars” eine wunderbare Liebeserklärung, die COHEED AND CAMBRIA auf früheren Alben sicher als reine Akustikballade umgesetzt hätten. Doch auch hier gibt es neben Orchestrierungen wieder verfremdete Sounds, seltsame Geräuschkulissen und Drumsamples zu hören, was für eine ganz besondere Atmosphäre sorgt. Herausragend klingt auch das kurze, aber unheimlich gefühlvolle Gitarrensolo im Stile eines David Gilmour.

Es folgen zwei weitere Höhepunkte, bei denen die Band wieder ein wenig komplexer und heftiger zu Werke geht. Das gitarrentechnisch und rhythmisch vertrackte “In The Flame Of Error” wirkt sehr dramatisch und düster, wogegen “When Skeletons Live” etwas unbeschwerter klingt. Die verspielten Strophen und der mitreißende, treibende Refrain machen den Song zu einem echten Hit.

Das abschließende “The Black Rainbow” wirkt leider eher wie ein langgezogenes Outro, das sich von einer mit Soundeffekten überladenen Ballade in eine Art Jamsession steigert, die im Klangchaos endet. Vielleicht passt dies zur Story, die leider zur Rezension noch nicht vorlag, musikalisch wäre jedoch ein dramatischer, bombastischer Track im Stile von “The Shattered Symphony” besser gewesen. So wirkt dies nicht wie ein grandioser Abschluss, sondern eher wie ein offenes Ende, das Fragezeichen hinterlässt, was natürlich wiederum dem Prequel-Gedanken entspricht.

FAZIT: Hat man erst einmal die Produktion, die elektronischen Spielereien und experimentellen Arrangements geknackt und dringt zu den eigentlichen Songs und Melodien durch, entdeckt man… COHEED AND CAMBRIA. Die Band mag auf “Year Of The Black Rainbow” stellenweise schwieriger klingen und auch progressiver und experimenteller zu Werke gehen, aber sie ist immer noch ein Garant für wunderbare Hooks und große Emotionen. Diesen Schritt in der Entwicklung der Band mitzugehen erfordert jedoch einiges an Geduld und Toleranz. Aufgrund der vielen spielerischen und klangtechnischen Details eignet sich das Album auch weniger zum Hören nebenbei oder gar im Auto, wo der Geräuschpegel ohnehin höher ist. Stattdessen sollte man es wirklich in Ruhe und mit Kopfhörern genießen, um das komplette Bild erfassen zu können. Auch wenn einzelne Ideen oder Experimente und auch einige Aspekte der Produktion nicht immer vollständig überzeugen können, ist “Year Of The Black Rainbow” letztendlich ein sehr gelungenes Album geworden. Es zeigt, dass COHEED AND CAMBRIA nicht stillstehen, ohne etwas von ihrem einzigartigen Ausdruck zu verlieren.

Daniel Fischer (Info) (Review 4728x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • One
  • The Broken
  • Guns Of Summer
  • Here We Are Juggernaut
  • Far
  • The Shattered Symphony
  • World Of Lines
  • Made Out Of Nothing
  • Pearl Of The Stars
  • In The Flame Of Error
  • When Skeletons Live
  • The Black Rainbow

Besetzung:

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  • keine Interviews
Kommentare
MarchHare
gepostet am: 03.03.2013

danke daniel, aufgrund deiner aufschlussreichen besprechung werde ich dem album noch eine chance geben.
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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