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Luke Elliot: Dressed For The Occasion (Review)

Artist:

Luke Elliot

Luke Elliot: Dressed For The Occasion
Album:

Dressed For The Occasion

Medium: CD/LP
Stil:

Melancholischer Singer/Songwriter-Folk

Label: Name / Soulfood
Spieldauer: 43:44
Erschienen: 03.06.2016
Website: [Link]

Immer wieder sind es diese Typen, die entweder in Norwegen bzw. Skandinavien leben oder sich dort niederlassen und einem in der Musik die hohe Kunst der Melancholie und gefühlvoller Erinnerungen an längst vergangene, aber (Achtung Klischee!) tatsächlich besserer Musik-Zeiten zurück ins Bewusstsein rufen. Da schlummerte eben tatsächlich noch etwas in unserem Unterbewusstsein, das vom alltäglichen Musik-Mainstream-Wahnsinn zurückgedrängt wurde, bis das Vergessen einen grauen Schleier darüber legte, wie der graue Star das Auge verschleiert. So gesehen der graue Star für die Ohren. Doch dann tauchen immer wieder die Momente musikalischen Glücks auf, die diesen Schleier beiseite schieben und unsere fast vergessenen Erinnerungen wieder vom Friedhof der Mainstream-Kuschelmusik ausgraben.
LUKE ELLIOT stellt sich den Totengräbern guter Musik entgegen und betreibt musikalische Leichen-Fledderei, damit wir die als unwirtschaftlich Totgesagten wieder ehren anstelle der heutzutage angepriesenen, aber völlig totgewirtschafteten Musik-Marionetten.

LUKE ELLIOT kleidet wortwörtlich sich und seine Musik in „Dressed For The Occasion“ in ein ganz besonderes Gewand, dessen Hose von ELVIS COSTELLO, Hemd von LEONARD COHEN, Schuhe von den TINDERSTICKS und Jacke von JEFF BUCKLEY sind. Tatsächlich, dieser Elliot hat mehr als nur ein bisschen von dem „Grace“-Helden Buckley, der sich und seine Musik bis zu seinem viel zu frühen Tod ekstatisch auslebte. Wer zur Legende werden will, muss eben früh sterben oder endet eines Tages so wie UDO LINDENBERG als karikierter Clown seiner selbst. Elliot muss bzw. wird hoffentlich nicht sterben, aber seine Musik ist nach diesem Album sowieso unsterblich geworden. Zumindest glaubt das nicht nur der Kritiker dieser Zeilen, sondern auch das schwedische „Dagebladet“, indem es zu Elliots Musik schrieb, sie wäre „ein zeitloser Klassiker“ und bringt es damit tatsächlich auf den Punkt.

Im Sinne der großen Singer/Songwriter-Tradition - besonders eines LEONARD COHEN - komponiert Elliot nicht nur großartige Melodien und begleitet sich dabei selber am Klavier, auch seine Texte erzählen die Geschichten, die unbedingt erzählt werden müssen, damit sie niemals in Vergessenheit geraten. Nicht ohne Grund zog es den Amerikaner dann auch nach Oslo, um genau die Atmosphäre für seine Songs einzufangen, die eine skandinavische Melancholie atmet, welche dann auf amerikanisches Songwriter-Feeling sowie Americana-Folk trifft. Und um komplett authentisch zu sein, begleiten ihn auf seinem Album ausschließlich Musiker aus Norwegen. Dass die Norweger auch einen deutlich besseren Musikgeschmack als wir Deutschen haben, die mehr auf Opa Udo Linden und Oma Andrea Berg stehen, beweist auch, dass „Dressed For The Occasion“ dort bereits ein Top-10-Hit wurde. Vielleicht entdecken wir auch langsam solche Musik für uns, denn Radio Eins führt dieses Album bereits als Geheim-Tipp.

Auf „Dressed For The Occasion“ dürfen Streicher schmachten, aber nicht schmalzen, fette Orgeln und Pedal Steel ihre instrumentalen Freiheiten ausleben und den Sound fett und voluminös nach den guten, alten Sechzigern klingen lassen. Wenn die WALKABOUTS auf MADRUGADA und MIDNIGHT CHOIR treffen, dann wäre LUKE ELLIOT nicht weit, selbst wenn der als seine Vorbilder die in unseren Breitengraden weniger bekannten THE CRAMPS und SHARON VAN ETTEN nennt.

Einzelne Songs aus dem Album hervorzuheben erscheint fast unmöglich, denn jeder entfaltet seine eigene Aura, die einen sofort fesselt.
„Trouble“ ist dabei besonders intensiv, denn es geht um eine traurige Trennung, die einen zu Boden wirft, doch dann ... Aber auch „A Prayer For Saint Rita“, der das Album abschließende, nur auf einer Pump-Organ gespielte und an ein trauriges Gebet erinnernde Song geht extrem tief und lässt einen in regelrecht bedrückter Stimmung zurück, wenn der letzte Ton verklungen ist.
Musik für‘s Herz und den Kopf und ganz besonders für unsere Ohren, die sich nach mehr als 0-8-15-Berieselung sehnen.

FAZIT: Der Produzent von „Dressed For The Occasion“ John Agnello schwärmte: „Als ich das erste Mal LUKE ELLIOTs Stimme hörte, dachte ich: ‚Was für ein außergewöhnliches Talent!‘ Als ich ihn dann aber am Piano sitzen und singen sah, wusste ich, dass er ein Glücksfall der Natur ist.“ Wer dieses Album hört, kann Agnello garantiert verstehen.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 3022x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Get ‘em While They‘re Hot
  • Trouble
  • Blue And Green
  • Dressed For The Occasion
  • This Gun Of Mine
  • Let It Rain On Me
  • The Great Roundout Train Robbery
  • Reason To Believe
  • Handsome Man
  • People Like You
  • A Prayer For Saint Rita

Besetzung:

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