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Pristine: Reboot (Review)

Artist:

Pristine

Pristine: Reboot
Album:

Reboot

Medium: CD/LP
Stil:

Blues-, Hard-, Psyche- und Back-To-The-Roots-Rock

Label: Eigenvertrieb / Netinfect
Spieldauer: 45:10
Erschienen: 22.01.2016
Website: [Link]

Nicht nur das Cover dieser Band aus Norwegen vermittelt uns dieses „Back To The Roots“-Gefühl aus Blues und Soul und Rock und Psyche und Nostalgie, auch die Musik erfüllt genau die Erwartungen, die sich hinter dieser Gestaltung und dem mit allen Texten gefüllten, schwarzen Booklet verbergen, in dem man auf der letzten Seite auch noch ein uraltes Mischpult bewundern darf. PRISTINE lassen bei ihren Kompositionen und Texten nichts anbrennen, damit sie nach diesem Old-School-Blues-Rock klingen und sich bereits nach dem ersten Hördurchgang die Frage stellt, ob wir es bei „Reboot“ mit einem zu unrecht übersehen Musik-Schätzchen der späten 60er oder frühen 70er zu tun haben. Oder ob dieses Album tatsächlich ein Kind der 2016er Moderne ist und von jungen Musikern eingespielt wurde, die sich den Zeichen der schnelllebigen Download-Musikkultur konsequent mit diesem Blick zurück verweigern!

Keine Frage lassen sie dabei aufkommen und keine Opfer werden gemacht, denn bereits „Derek“, der Album-Opener, bluest rockig mit einem Feuer los, dass man damit sofort die Zigarre entfachen könnte, welche die flippige All-Round-Frau HEIDI SOLHEIM, die nicht nur extrem geil singt, sondern gleich noch alle Songs textet und komponiert, auf ihrer Homepage pafft. Ja, diese Heidi saust nicht über die Weide, sondern durch die knarzigsten Spielarten früher Rock-Anfänge. Mit gutem Grund, denn schon immer liebte sie die Plattensammlung ihres Vaters, in der sich neben LED ZEPPELIN auch ARETHA FRANKLIN oder GRAND FUNK RAILROAD fanden. Aber es war nicht nur das schwarze Vinyl, welches sich auf dem Plattenteller drehte, das sie so faszinierte. Auch was außerhalb ihrer vier Wände in der norwegischen Natur geschah, inspirierte sie: „Der Winter ist lang mit tagelanger kompletter Dunkelheit. Der Sommer ist kurz mit Mitternachtssonne und 24 Stunden Tageslicht. Es kann so kalt werden, dass man Eiszapfen an den Augenbrauen hat, oder so heiß, dass man kaum atmen kann. Die Natur ist wild mit hohen Bergen und unberührten Wäldern, schön und eindringlich zugleich. Aus dieser Erfahrung lässt sich eine Menge Inspiration ableiten.“ Inspiration, die man in jeder Minute dieser guten Dreiviertelstunde grandiosen Blues-Rocks mit Feuer unterm Hintern und Eiszapfen an der Nase hören kann.

Mit (I‘m Only Give You) All Of My Love setzen PRISTINE laut und deutlich gleich das nächste Ausrufezeichen, das in gewisser Weise LED ZEPPELIN „Rebootet“, wie man es auch gut in ihrer ersten Video-Auskopplung bewundern kann. Und LED ZEPPELIN bleiben besonders im ersten Drittel von „Reboot“ auch liebevoller Begleiter und Ideengeber der Norweger.

Dann klingt sogar eine BJÖRK auf „All I Want Is You“ durch. Spätestens jetzt nimmt uns dieses Album gefangen. Und wenn dann auch noch auf „Reboot“ diese Tull-Flöte auftaucht, hat es uns endgültig. Aber nur, wenn in uns noch immer die tiefe Sehnsucht nach dem Blues, Hardrock und Psychedelic der späten 60er- und frühen 70er-Jahre schwelt.

„The Middlemen“, der mit sechseinhalb Minuten längste Song, klingt beinahe wie ein psychedelisches Lehrstück aus frühen PINK FLOYD und dem später in deren Fußstapfen tretenden Space-Rock der Marke ELOY, nur dass dazu HEIDI SOLHEIM diesem fast episch anmutendem Stück mit ihrem atmosphärischen, elfengleichen Gesang noch das endgültige Sahnehäubchen aufsetzt. Ein Song für die Ewigkeit! Man möchte sich gar nicht ausmalen, welch unglaubliches Album PRISTINE mit „Reboot“ rausgehauen hätten, wenn mehr solch musikalischer Wunderwerke darauf enthalten wären. Doch da die Norweger sich verstärkt dem härteren Blues-Rock mit psychedelischem Einschlag und deutlichen 60er-Roots widmen, müssen wir vielleicht noch ein Album lang warten, bis diese Band gehörig die Musik-Welt in Aufregung versetzt. „Reboot“ jedenfalls macht diesbezüglich schon einmal den Anfang.

Dazu trägt dann auch gleich das folgende „California“ bei, eine schwer psychedelische Rock-Nummer voll fetter Hammond-Orgel und Farfisa-Sounds, dass es einem schwindlig wird bei so viel 60er-Retro-Feeling zwischen BLACK SABBATH und LED ZEPPELIN. Und immer wieder diese unglaubliche Stimme von HEIDI SOLHEIM, die das gesamte Spektrum von JANIS JOPLIN bis PATTI SMITH abzudecken vermag und mit lockerer Souveränität einer JOSS STONE das Wasser nicht nur reichen, sondern auch abgraben könnte. Und dass sie auch noch die eine oder andere Soul-Queen dabei gleich mit in den Sack steckt, beweist „Don‘t Save My Soul“. Diese Norwegerin ist eine singende Ausnahmeerscheinung! Und das schreibe ich hier nicht, weil sie anno 2013 eine gewisse Berühmtheit in Norwegen erlangte, da sie an „The Voice Of Norway“ teilnahm. Hier klingt keine Stimme für Norwegen, sondern eine Stimme aus Norwegen für die Blues- und Psychedelic-Rock-Welt par excellence. Unfassbar!

FAZIT: Mit „Reboot“ gelingt der norwegischen Band PRISTINE ein Rundumschlag in Sachen nostalgischem, psychedelischen Blues-Rock, der von seiner Basis her zu 100% live im Studio eingespielt wurde und sich konsequent den 60ern und 70ern zuwendet. Ein knallharter Ohr-gasmus aus spritzigen Ideen und Jahrzehnte alter Härte, die kein Viagra, sondern nur ein paar hervorragende norwegische Musiker braucht, die sich an den alten Original-Instrumenten, wie Hammond, Farfisa usw., usf., noch richtig beeindruckend austoben können.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 4285x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Derek
  • All Of My Love
  • All I Want Is You
  • Bootie Call
  • Reboot
  • The Middlemen
  • California
  • Louis Lane
  • Don‘t Save My Soul
  • The Lemon Waltz

Besetzung:

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Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Dieter
gepostet am: 02.04.2017

User-Wertung:
15 Punkte

Als Symphonic Metal und Hardrockfan muss ich sagen: eines der besten Alben die ich je gehört habe.
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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