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Myrath: Shehili (Review)

Artist:

Myrath

Myrath: Shehili
Album:

Shehili

Medium: CD/Download
Stil:

Progressive Metal

Label: ear / Edel
Spieldauer: 47:10
Erschienen: 03.05.2019
Website: [Link]

Man braucht im Zusammenhang mit MYRATH nicht ständig den Exotik-Trumpf zu zücken, denn die Tunesier haben sich längst von ihrer Herkunft unabhängig als relevante Melodic- bis Progressive-Metal-Band etabliert, die eben bloß ein wenig anders klingt. Ihre Qualitäten sind jedoch die gleichen wie bei allen anderen Acts von Renommee - kompositorischer Einfallsreichtum, Spielwitz und aussagekräftige Texte bzw. eine Stimme mit hohem Identifikationspotenzial.

Im Grunde hat die Gruppe einen eigenen Stil kultiviert und muss niemandem mehr etwas beweisen. Folglich ist "Shehili", benannt nach einem Sahara-Wind, ein logischer Nachfolger ihres soweit jüngsten Langspielers "Legacy". Das Quintett verbindet einmal mehr anspruchsvollere Songstrukturen mit mehrheitsfähigen Hooks und jenen typischen, in der "westlichen" Welt als orientalisch empfundenen Melodien, die stets einen besonderen Zauber ausüben, eben weil sie gerade im Metal nicht alltäglich sind.

"Shehili' wurde in Frankreich mit Kevin Codfert von Adagio produziert, einem langjährigen Freund der Mitglieder, die Schlagzeug-Aufnahmen fanden in Hamburg unter Eike Freese (Gamma Ray u.v.m.) statt, wohingegen die Streicher des tunesischen Staatsorchesters ihre Parts logischerweise in Tunis einspielten. Das Album trägt also teilweise symphonische Züge wie von MYRATH gewohnt, dürfte aber ihr bislang kompaktestes Werk sein. Jens Bogren hat die zwölf Songs satt, aber natürlich gemastert, wie um diesen Eindruck zusätzlich zu forcieren.

Als Vergleichspunkt halten nach wie vor am ehesten die Amerikaner Symphony X her, in erster Linie aufgrund der fetten Gitarrenriffs ('Darkness Arise') und Sänger Zaher Zorgatis krafvoller, Dio-Soul-getränkter Stimme. Mit dem drückenden Midtempo-Einstieg ' Born To Surive' und dem melodischen Schmeichler You've Lost Yourself', dem später das ähnlich "hittige" 'Monster In My Closet' zur Seite gestellt wird, gelingt MYRATH der perfekte Einstieg in eine mehrheitsfähige Scheibe, die im Folgenden nur noch mehr an Fahrt gewinnt.

Die Single 'Dance' (mit sehenswertem Nachfolgevideo zu 'Believer') verschränkt ein poppiges Hook und schwungvolle Rhythmik (Slap-Bass) mit den Band-typischen Streicher-Sounds, 'Wicked Dice' mausert sich nach mehrmaligem Hören in seiner düster schleichenden Art als heimlicher Dauerbrenner, und 'Lili Twil' leitet als komplexe Halbballade mit tollem Klavierspiel eine verspätete Halbzeit ein. Der Track stammt im Original von Les Frères Megri und war 1972 ein Hit in dem Pop-Charts des maghrebinischen Länderdreiecks, wo die Musiker aufwuchsen und wird in Darija gesungen, einem marokkanischen Dialekt.

'No Holding Back', eine beispiellos erhebende Nummer, schließt die dreiteilige Story ab, die mit dem besagten 'Believer' begann, ehe sich MYRATH mit 'Stardust' den (relativ gesehen) Hänger des Albums erlauben. Das Stück ist ebenfalls balladenhaft angelegt, dazu gewollt hymnisch, und kommt bis zuletzt nicht so recht aus den Puschen, weil eine zwingende Idee zu fehlen scheint - Schwamm drüber in Anbetracht von 'Mersal', einem packenden Duett des Frontmanns mit dem tunesisch-bosnischen Tenor Lotfi Bouchnak. Der abschließende Titeltrack fasst noch einmal alles zusammen, wofür die Gruppe generell steht …

FAZIT: … eine die Welt umarmende Verschmelzung des westlichen Metal mit dem Sound des Mittleren Ostens bzw. arabischen Kulturkreises. MYRATH führen ihren Stil mit "Shehili" ein Stück weiter zur Vollkommenheit und garantieren ein Fest für Progger und Melodic-Fans gleichermaßen.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 781x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Asl (Intro)
  • Born To Survive
  • You've Lost Yourself
  • Dance
  • Wicked Dice
  • Monster In My Closet
  • Lili Twil
  • No Holding Back
  • Stardust
  • Mersal
  • Darkness Arise
  • Shehili

Besetzung:

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