Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Unantastbar: 15 Jahre Rebellion (Review)

Artist:

Unantastbar

Unantastbar: 15 Jahre Rebellion
Album:

15 Jahre Rebellion

Medium: LP+CD/Download
Stil:

Deutsch Punk-Rock zwischen Härte und Provokation, ääähhh, Rebellion

Label: Rookies & Kings / Soulfood
Spieldauer: 70:46
Erschienen: 30.08.2019
Website: [Link]

„Ein Künstler, der seine rebellische Haltung und Spontanität verliert, ist tot.“

Na, von wem könnte das Zitat stammen, welches maßgeblich für den Titel des Jubiläum-Albums „15 Jahre Rebellion“ von UNANTASTBAR verantwortlich war?
Gut?! Die Jungs sind noch immer getreu ihrem TOTEN-HOSEN-BÖHSE-ONKELZ-Image plus ein wenig FREI.WILD-Appeal unterwegs – auch nach 15 Jahren und auch wenn sie noch immer behaupten, extrem rebellisch zu sein, selbst wenn sie sich längst so einige Zähne ausgebissen haben und manchmal nur noch Deutsch-Rock-Prothesen tragen, haben sie doch nie eine – eben ihre – gewisse, rotzfreche Magie verloren, für die sie von ihren Fans so heiß und innig geliebt werden. Umstritten waren sie dabei durchaus – ähnlich den frei wildernden Onkelz, die man nur zu gerne Rechts verorten will, selbst wenn sie vom Reden und den Statements her immer alles dagegen unternahmen, einige Songs aber anderes vermuten lassen/ließen...
Trotzdem lautet ihre eindeutige Botschaft unter ihrer Homepage: „UNANTASTBAR hat mit politischen Extremen nichts am Hut. Wir lieben unser schönes Südtirol, doch wir haben keine Lust auf irgendwelche stumpfen Parolen, egal ob aus der linken oder rechten Ecke. Unsere Musik soll da sein, um Spaß zu haben, zu feiern und um gestärkt durchs Leben zu gehen! Im Klartext: Wir distanzieren uns nicht nur von rechten Ideologien, sondern tolerieren diese auch auf keinen Fall!“ 

Darum lösen wir vorerst einfach mal das Zitat-Rätsel auf, das die einleitenden Worte noch bestätigt: MADONNA!
Und die Frau steht natürlich – trotz peinlichem, ihren Ansehen nicht wirklich hilfreichem ESC-Auftritt – zugleich für Provokation pur, zumindest wenn man ein wenig genauer auf ihre Texte hört und ihre Videos betrachtet.
Doch UNANTASTBAR und MADONNA – puh, das passt trotz dem verwendeten Zitat auf der optisch sehr ansprechenden, sogar mit Goldlettern verzierten, und vom Vinyl her farbig-marmoriert (weiß-gold-splatter) gestalteten LP-Jubiläumsausgabe plus einer CD des Albums überhaupt nicht. Denn schon ein Blick auf die englischen MADONNA-Texte im Vergleich mit den deutschen UNANTASTBAR-Texten zeigen deutliche Grenzen auf, bei denen die Deutsch-Punk-Rocker nicht gerade gut abschneiden.

Manchmal schütteln sich die UNANTASTBAR-Reimchen eben gehörig im Schemata-(Phrasen-Schwein)-Rausch, während von „Freundschaft“ („Doch jeder von uns stellt sich die Frage / Wird unsere Freundschaft für immer sein?“), „Bonzenbengel“ („Mich interessiert nur eins / Mein Pappi hat die Kohle“) oder der viel gepriesenen „Rebellion“ („Rebellion – Rebellen an die Macht! / Rebellion – wir ziehen in die Schlacht!“) gesungen wird.

Nur auch nach 15 Jahren kann man dem rebellischen Punk-Rock-Quintett aus Südtirol diese oftmals lyrische Banalität oder Proleten-Poesie nicht zum Vorwurf machen. Sie wahren eben ihre Tradition, mit der sie ihren Erfolg ja erst „erarbeitet“ haben. Und darum muss wohl ein sich als Intellektueller verstehender Kritiker auch nicht an den leicht verständlichen, manchmal naiv anmutenden Deutsch-Rock-Texten rummeckern, denn die tragen schon ein gewisses Punk-Appeal in sich, auch wenn solche Zeilen wie: „Ich schlag dir ins Gesicht / denn das sehe ich als Pflicht“ („Bonzenbengel“), doch recht kackemäßig rüberkommen. Und so viel sei auch den UNANTASTBARen Rebellen, samt Anti-Aggressiv-Botschaften unter ihrer Homepage – gesagt: „Wenn ihr für euch Toleranz einfordert, dann solltet ihr die auch den Typen entgegenbringen, die nicht so rebellisch sind oder sein wollen, so lange die euch nicht ohne Grund in die Fresse kloppen. Gut – jetzt wird‘s zu philosophisch...

Musikalisch halten UNANTASTBAR selbstverständlich auch nach 15 Jahren eindeutigen Kurs und wissen auch gleich, wem sie ihren Erfolg besonders zu verdanken haben und eröffnen „15 Jahre Rebellion” mit „Vielen Dank!“ an ihre Fans: „Mit euch leben, lieben, leiden, / gegen die Stille, auf zur Rebellion“, um dann natürlich gleich mit dem nächsten Song genau zu ebendieser überzugehen: „Rebellion – knallhart unter die Haut / Rebellion – fühlst du es auch?“ (Oh, wirklich mies gereimt, doch wen stört‘s, wenn man am Ende zu dem Schluss kommt: „Schaut gut zu und macht es euch bequem / Ihr könnt uns alle und euer scheiß System!“)

UNANTASTBAR sprechen bei ihrem Album von „einer fetten Danke an alle Wegbegleiter der letzten 15 Jahre“, greifen dabei aber zum Glück nicht auf eine dröge „Best Of“-Variante zurück, sondern krachen diese Scheibe raus, welche bei diversen Jam-Sessions im hauseigenen Studio entstanden. Spontanität und Kreativität, gemischt mit ein paar kleinen Stilbrüchen, ohne dabei aber gänzlich neue Wege zu beschreiten. Allerdings benennen sie als Einflüsse für „15 Jahre Rebellion” sogar JOHNNY CASH und Reggae und setzen aus ihrer Sicht als „Sahnehäubchen“ die 2006er-Live-Version der Bandhymne „Freundschaft“, mitgeschnitten in Magdeburg, drauf. Ziemlich gruselig klingt das, aber erinnerungshalber sicher von hohem Wert – musikalisch allerdings nicht.

FAZIT: In leichter Umbenennung ihres fünften Albums gilt auch für die schick als farbige LP und dazugehöriger CD aufgemachte Jubiläumsausgabe zum 15. „15 Jahre Rebellion” bei den Südtiroler Punk-Deutschrockern UNANTASTBAR „Fluch oder Segen“. Alles bleibt beim Alten, auch die mitunter banal anmutenden, aber rebellischen, manchmal sogar für Missverständnisse sorgenden Texte, garniert mit feurigem Punk-Rock, bei dem die Onkelz ihre toten Hosen überstreifen und auf Frei-Wild-Jagd gehen. Auch nach 15 Jahren sind UNANTASTBAR antastbar geblieben, selbst (oder gerade) wenn sie ihr Album zum 15. Jubiläum mit einem rebellischen MADONNA-Zitat verzieren: „Ein Künstler, der seine rebellische Haltung und Spontanität verliert, ist tot.“ Lang lebe UNANTASTBAR.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 369x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 9 von 15 Punkten [?]
9 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Seite A (17:36):
  • Vielen Dank! (3:43)
  • Rebellion (2:47)
  • Mein Weg, mein Leben (3:46)
  • Dreh dich nicht um (3:33)
  • Lass mich los (3:47)
  • Seite B (17:47):
  • Gerader Weg (3:46)
  • Unantastbar (3:18)
  • Dein Leben, deine Regeln, dein Gesetz (3:30)
  • Bonzenbengel (3:22)
  • Freundschaft (Live in Magdeburg 2006) (3:51)
  • CD (35:23):
  • Vielen Dank!
  • Rebellion
  • Mein Weg, mein Leben
  • Dreh dich nicht um
  • Lass mich los
  • Gerader Weg
  • Unantastbar
  • Dein Leben, deine Regeln, dein Gesetz
  • Bonzenbengel
  • Freundschaft (Live in Magdeburg 2006)

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Welches Tier bellt?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!