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Steely Dan: Northeast Corridor – Live! (Review)

Artist:

Steely Dan

Steely Dan: Northeast Corridor – Live!
Album:

Northeast Corridor – Live!

Medium: CD/Download/Do-LP
Stil:

Funk, R&B, Pop, Jazz

Label: Universal Music
Spieldauer: 62:15
Erschienen: 01.10.2021
Website: [Link]

Wenn jemand lauthals einen Anderen auffordert, nicht dessen Nummer zu vergessen bzw. zu verlieren und daraus auch noch ein Mega-Hit wird, dann trägt das fast schon ein wenig morbide Züge. Wundervoll morbide Züge. Denn hört man nur ein einziges Mal „Rikki Don't Lose That Number“ von STEELY DAN, dann ist es um einen geschehen und diesen verdammten Ohrwurm bekommt man einfach aus seinen Ohrmuscheln nicht mehr hinaus. Diese Nummer ist eben ein echter Hit, der sicher unvergesslich bleibt. Also keine Chance, solche Nummer zu 'verlieren'.

Nun ist dieser Song schon 47 Jahre, die Band selber fast 50 Jahre alt. Und noch immer unvergessen, womit der Beweis für ihre Evergreen-Kompatibilität erbracht wäre. Allerdings hat man schon lange nichts mehr von STEELY DAN – die im Grunde das meist um eine große Band verstärkte Duo DONALD FAGEN und WALTER BECKER sind/waren – gehört und selbst ihre letzte Live-Platte „Alive In America“ liegt schon 25 Jahre zurück. Das ändert sich ab sofort mit „Northeast Corridor – STEELY DAN Live!“ Dem schließt sich übrigens zur gleichen Zeit auch noch ein 'Nightfly'-Live-Album von DONALD FAGEN an.

Allerdings ist verständlich, dass es eine längere Zeit der Stille speziell um STEELY DAN geben musste, denn mit dem Tod von WALTER BECKER am 3. September 2017 schienen auch STEELY DAN endgültig begraben, doch DONALD FAGEN sah das anders und machte ohne ihn, dafür aber mit riesigem Bandkollektiv sowie fetter Bläser- und Percussion-Sektion weiter und ging in dieser Besetzung schon zwei Jahre nach Beckers Tod auf große Tour. Wie ambitioniert und druckvoll das alles klang – und wie großartige die alten STEELY DAN-Stücke live anno 2019, noch kurz vor der Kultur-Killer-Pandemie, klangen, darf man nun auf diesem Doppel-Vinyl nachhören. Dass jeder, der STEELY DAN mag, davon begeistert sein wird, selbst wenn ein W. Becker aus unwiderruflichen Gründen nicht mehr mit dabei sein kann, wird hiermit garantiert.

Nicht nur die Sound-Qualität ist in ihrer voluminösen Vinyl-Ausstrahlung und Wärme absolute Spitze, auch die von verschiedenen Konzertorten ausgewählten Songs bestechen durch Perfektion und Leidenschaft. Oftmals kommen einem auch bei den breit angelegten Bläser-Einsätzen, den fantastischen Background-Vocals und der perkussiven Verspieltheit immer wieder CHICAGO in den Sinn. Eine pure Freude eben, auch weil von den alten Hits so gut wie keiner ausgelassen wird oder etwa seine Wirkung verloren hätte, egal ob es der nummervergessende Rikki oder „Aja“, „Reelin' In The Years“, „Peg“, „Hey Nineteen“ und so weiter und so fort ist…

Pop, R&B, Funk und Soul brennen sich immer wieder in die Ohren ein und auch Fagens Gesang überzeugt durchgängig.

Allerdings ist auffällig, dass die ausgewählten Songs neben den großartigen instrumentalen Aspekten insgesamt etwas ruhiger als bei den früh(er)en Konzerten von STEELY DAN ausgefallen sind. Glänzen jedenfalls tuen sie auch im Jahr 2019 noch genauso wie früher, selbst wenn nunmehr mehr altersbedingte Wärme und Atmosphäre als kraftvoll jugendlicher Druck regiert, aber es werden auch ein kurzes Schlagzeug-Solo und die angenehmen Bar-Klänge nicht vernachlässigt.

Wunderschön ist nach wie vor auch die Tatsache, all die oft stark zu sarkastischen Aussagen neigenden Texte wiederzuhören. Ein ganz spezielles Markenzeichen von STEELY DAN, die sich schließlich nicht ohne Grund ihren Bandnamen aus „Naked Lunch“, einem Roman von WILLIAM S. BURROUGHS, 'borgten', denn da trug ein ganz spezielles Sexspielzeug – ein eiserner (hoffentlich rostfreier) Dildo – diesen Namen. Sollte es – unter diesem Aspekt betrachtet – vielleicht bei der nicht zu vergessenden Nummer für Rikki um eine spezielle Nummer der anderen, mehr in den biologischen Exkurs fallenden, Art gehen? Ja, wer weiß, wer weiß…

Die Doppel-LP „Northeast Corridor – Live!“ ist zwar nicht aufklappbar, enthält dafür aber in ihrem Inneren zwei mit LP-großen Fotos bedruckte Innenhüllen, die sehr schön anzusehen sind.
Also auch in diesem Punkt eigentlich alles richtig gemacht, um dieser Live-Nostalgie auf 180g-Vinyl in der Gegenwart genau die richtige Atmosphäre zu verleihen.

FAZIT: „Northeast Corridor – Live!“ ist nach 25 Jahren ein weiteres Live-Album von STEELY DAN, natürlich ohne den 2017 verstorbenen Walter Becker, dafür aber mit großem Bandaufgebot, das rund um DONALD FAGEN bei deren 2019er-Konzert-Tournee echtes STEELY DAN-Feeling entfacht. Diese Doppel-LP mit ausgewählten Aufnahmen von der Tour spiegelt die lebendige Live-Atmosphäre anschaulich und anhörlich absolut überzeugend wider.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 982x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Tracklist:
  • Seite A (15:29):
  • Black Cow – Live from Mohegan Sun Arena (5:03)
  • Kid Charlemagne – Live from the Orpheum Theatre (5:50)
  • Rikki Don't Lose That Number – Live from Mohegan Sun Arena (4:36)
  • Seite B (15:36):
  • Hey Nineteen – Live from The Met Philadelphia (5:28)
  • Any Major Dude Will Tell You – Live from Mohegan Sun Arena (3:11)
  • Glamour Profession – Live from The Met Philadelphia (6:57)
  • Seite C (17:35):
  • Things I Miss The Most – Live from the Beacon Theatre(5:02)
  • Aja – Live from the Orpheum Theatre (8:30)
  • Peg – Live from the Orpheum Theatre (4:03)
  • Seite D (13:35):
  • Bodhisattva – Live from the Beacon Theatre (5:31)
  • Reelin' In The Years – Live from Mohegan Sun Arena (5:42)
  • A Man Ain't Supposed To Cry – Live from the Orpheum Theatre (2:22)

Besetzung:

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