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Rufus Wainwright: I’m A Stranger Here Myself - Wainwright Does Weill (Review)

Artist:

Rufus Wainwright

Rufus Wainwright: I’m A Stranger Here Myself - Wainwright Does Weill
Album:

I’m A Stranger Here Myself - Wainwright Does Weill

Medium: CD/Download/Do-LP
Stil:

Jazz, Theater-Musik, Swing, Orchester-Pop, Piano-Pop, Singer/Songwriter, Klassik

Label: Rock and Roll Credit Card Inc/Thirty Tigers/Membran
Spieldauer: 68:13
Erschienen: 21.11.2025
Website: [Link]

Berührungsängste zur "Hochkultur", zur gehobenen Kunst fürs Feuilleton, gar zur "E-Musik" kennt RUFUS WAINWRIGHT schon lange nicht mehr. Davon zeugen die Arbeiten des kanadisch-amerikanischen Singer-Songwriters für Robert Wilsons "Shakespeare-Sonette" am Berliner Ensemble, die Opern "Prima Donna" und "Hadrian" sowie zuletzt das monumentale Orchester-Chor-Werk "Dream Requiem". Einiges davon fand, nun ja, eher gemischte Resonanz bei Musikkritikern und Fans. "Schuster bleib bei deinem Leisten", hieß es sogar von manchen beinharten WAINWRIGHT-Verehrern - die ziemlich froh waren, als er 2023 mit der schönen Cover- und Duett-Platte "Folkocracy" wieder in poppigeren Gefilden landete.


Wie schlägt sich unser trotz allem stets innigst verehrter, hochambitionierter Held nun mit dem auch schon viele Jahrzehnte alten, für Pop-Fans durchaus anschlussfähigen Liedgut eines KURT WEILL (1900-1950)? Die Kombination "WAINWRIGHT Does WEILL" (so der Untertitel des Tribute-Albums) passt zumindest auf dem Papier perfekt. Trifft dieser fabelhafte Popsänger und Songwriter mit Wohnsitz Los Angeles hier doch, begleitet von einem 40-köpfigen Jazz-Orchester, auf einen legendären, bis heute beliebten deutschen Komponisten der Weimarer Theatermusik und sinfonischer Werke mit Broadway-Touch. 

So gerät "I'm A Stranger Here Myself" tatsächlich, wie erhofft, zu einem opulenten Fest der Interpretationskunst. KURT WEILL hätte vermutlich seine Freude daran gehabt, wie theatralisch und virtuos, eigenständig und respektvoll zugleich der inzwischen 52-jährige RUFUS WAINWRIGHT diese unsterblichen Songs live vor einem begeisterten US-Publikum präsentiert.


"Die Lieder von KURT WEILL beschäftigen mich schon seit langem und sind für mich nach wie vor geheimnisvoll. (..) Diese wundersame musikalische Reise hat begonnen, dauert an und wird niemals enden", sagt WAINWRIGHT, der nicht nur wegen seines deutschen Lebenspartners eine enge Beziehung zur deutschen Kultur pflegt, über eine langjährige WEILL-Faszination. Die einzigartige Mixtur aus "Popmusik mit opernhafter Sensibilität, dem Profanen mit dem Göttlichen" berühre ihn bis heute.

Und das kann man nun wirklich hören auf diesem Hommage-Album mit vielen KURT WEILL-Klassikern zwischen Kunstlied, Theater- und Kabarett-Musik, Klavier-Jazz, Swing und sinfonischer Klassik, die sich WAINWRIGHT grandios (auf Englisch, Französisch und ein wenig Deutsch) zu eigen macht. Die Premiere im New Yorker "Café Carlyle" vom Mai 2023 war seine erste umfassende Auseinandersetzung mit dem WEILL-Repertoire. Nach den fünf ausverkauften Abenden in New York erweiterte er seinen Ansatz mit einer üppig orchestrierten Konzertversion, die 2024 auf der großen Bühne des "Theatre at Ace Hotel" in Los Angeles mit dem Pacific Jazz Orchestra unter Leitung von Chris Walden aufgeführt wurde.


Vom "September Song" über "Surabaya Johnny" und "Mack The Knife" bis "Je ne t’aime pas" und "Lost In The Stars" bleiben kaum Wünsche offen. Die L.A.-Show würdige "nicht nur WEILLs Vermächtnis, sondern setzt auch WAINWRIGHTs lebenslange Auseinandersetzung mit Künstlern fort, die wie er an der Schnittstelle zwischen hoher Kunst, Popkultur und emotionaler Exzessivität leben", heißt es auf der Website des Sohns der Folk-Musiker Loudon Wainwright III und Kate McGarrigle. Insofern erinnert diese Hommage mit ihrem hehren missionarischen Eifer ein wenig an die WAINWRIGHT-Verbeugung vor der Schwulen-Ikone Judy Garland mit "RUFUS Does Judy At Carnegie Hall" von 2007.

RUFUS WAINWRIGHT würdigt die glamouröse Weimarer-Republik-Phase des jungen KURT WEILL und die ebenfalls erfolgreichen USA-Jahre des jüdischen Emigranten seit 1935 auch mit weniger vertrauten Stücken, um diese Musik "durch die Linse des 21. Jahrhunderts mit Witz, Grandeur und unverfälschtem Herz" zu vermitteln. Der Musikproduzent Peter Asher schreibt in den Liner Notes der WAINWRIGHT/WEILL-Platte: "Ich würde sagen, dass dieses Album alle Bereiche abdeckt. RUFUS nähert sich diesen Songs weder wie ein Jazzsänger noch wie ein klassischer Musiker. Er verkörpert sie vielmehr wie ein Singer-Songwriter."


Und das glückt RUFUS WAINWRIGHT so überzeugend, dass ihm - nach manchen halbgaren "Hochkultur"-Projekten, siehe oben - diesmal wirklich der allergrößte Applaus gebührt.

FAZIT: Beim Projekt "WAINWRIGHT Does WEILL" gehe es "im Kern weniger um die perfekte Bewahrung der Vergangenheit als vielmehr darum, ihr neues Leben einzuhauchen" - so das erklärte Ziel des kanadisch-amerikanischen Musikers, der von Shakespeare-Sonetten bis zu eigenen Opern und einem Requiem sein Streben nach Höherem schon oft bewiesen hat. Nicht immer freilich so überzeugend wie diesmal. Klar, da ist auch viel Broadway und sogar ein bisschen Hollywood im Spiel, wenn RUFUS WAINWRIGHT diese fabelhaften KURT WEILL-Lieder singt. Aber er singt sie mit so viel Verve und Wärme und hörbarer Begeisterung, dass man hinterher nur sagen kann: Ja, passt

Werner Herpell (Info) (Review 45x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • September Song
  • I'm A Stranger Here Myself
  • Die Muschel von Margate
  • Matrosen Song
  • It Never Was You
  • Youkali
  • Fürchte Dich Nicht
  • The Saga Of Jenny
  • Je ne t'aime pas
  • Will You Remember Me?
  • Zuhälterballade
  • Surabaya Johnny
  • Mack The Knife
  • Lost In The Stars
  • Surabaya Johnny (Live At Café Carlyle)

Besetzung:

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