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A.S. Fanning: Take Me Back To Nowhere (Review)

Artist:

A.S. Fanning

A.S. Fanning: Take Me Back To Nowhere
Album:

Take Me Back To Nowhere

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Electronica, Psychedelia, New Wave

Label: K&F Records
Spieldauer: 43:06
Erschienen: 06.02.2026
Website: [Link]

Mit seinem Album „Mushroom Cloud“ stieß der irische Wahlberliner A.S. FANNING in ganz neue Bereiche nihilistischer Denkansätze vor und schrieb eine Art poetischen Soundtrack zum kommenden Untergang, den er in seinen poetischen Song-Dystopien auf anschauliche und erstaunlich ironisch/amüsante Weise ausformulierte. Dabei muss man wissen, dass STEPHEN FANNING gar kein destruktiver Mensch ist. Er macht sich vielmehr einen Spaß daraus, mit seinen Songs auf die offensichtliche Schräglage unserer Welt – sowohl in politischer wie auch sozialer und persönlicher Hinsicht – aufmerksam zu machen; wobei die persönlichen Aspekte der Auslöser für seine leicht zynische Weltsicht sorgen.


Der Tenor seines nun vorliegenden, vierten Studioalbums „Take Me Back To Nowhere“ ist etwas anders gewichtet. Nicht, dass es hier gleich um lebensbejahend fröhliche Songs ginge, aber im Vergleich zu „Mushroom Cloud“ ist das neue Werk ein eher bodenständiger Reality-Check geworden, über den A.S. FANNING mit einer gehörigen Portion Stoizismus verschiedene Aspekte thematisiert; teils mit einer fast schon tröstlichen Note.

So finden sich etwa die beiden gegensätzlichen Songs „Now I'm In Love“ und „Romance“ in denen er die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten einer romantischen Beziehung erwägt.
„Idiot Leader“ erscheint hingegen wie ein merkwürdiger Mindtrip über Drogen, Entzug und Raver.
„Western Medicine“ ist ein (ernstgemeinter?) Aufruf, sich von der alternativen Esoterik und exotischen Naturheilmethoden fernzuhalten und sich wieder der verlässlichen „Western Medicine“ zuzuwenden.


Die spirituellen Aspekte des Daseins handelt A.S. FANNING etwa mit „Today Is About Forgetting“ ab: einer Reflexion des Übergangs vom Leben über den Tod bis in eine andere Dimension. Hervorzuheben ist der in drei Teile angelegte Titeltrack, den er als „alten Cowboy-Song“ konzipierte, in dem der Erzähler über den offensichtlich erstrebenswerten, ausgeglichenen Zustand des 'Nichts' resümiert; ein Thema, dass im Track „Talking To Ourselves“ erneut aufgenommen wird. Auch hier geht es um den Zustand zwischen Leben und Tod, das Eintauchen in andere Dimensionen („A Loaf Of Bread Floating in Space“) und vor allem um die Themen Isolation, Trennung sowie Unfähigkeit zur Kommunikation, die fast zwangsläufig zu Selbstgesprächen führt. „Stay Alive“ hingegen deutet an, dass es ein Gefühl der Verbundenheit mit 'etwas Größerem' geben könnte, das den irdischen Unbilden etwas entgegensetzen kann.

Tatsächlich befindet sich STEPHEN FANNING mit seinem Album „Take Me Back To Nowhere“ songwriterisch auf einem surreal-psychedelischen Selbstfindungstrip, an dessen Ende zwar keine Erlösung steht, dafür aber die Erkenntnis, dass es müßig ist, immer wieder gegen die Windmühlen des Lebens anzukämpfen.


Was das Album allerdings auf der musikalischen Seite auszeichnet, ist der Umstand, dass sich A.S. FANNING verletzungsbedingt von dem bisherigen Prozedere, seine Songs in einem – mal folkigen und mal opulent arrangierten – Noir-Setting mit Kaputnik-Flair anzurichten lösen musste und stattdessen mit elektronischen New-Wave-Sounds, Electronics und Keyboards experimentierte.

Das hat aber einen ganz einfachen Grund: Als sich A.S. FANNING daran machte, das Album im schwedischen Idea-Farm-Studio (welches er selbst mit aufgebaut hatte) mit seiner Live-Band und Produzent Robbie Moore einzuspielen, brach er sich ein Handgelenk, was zur Folge hatte, dass die Songs nicht – wie bisher üblich – auf der Gitarre konzipiert und gestaltet werden konnten. Stattdessen sah er sich gezwungen, auf Keyboards und Computertechnik zurückzugreifen. Das zeitigte zwar eine neue Arbeitsweise, eröffnete aber zugleich neue Chancen, denn wie jeder Musiker weiß, führt der Wechsel des Leitinstrumentes automatisch zu neuen Denkmustern und kompositorischen Ansätzen.

Nachdem die Stücke zunächst von den Musikern konventionell im Studio eingespielt worden waren, ging man daran, das Material aufzubrechen, um es dann unter Berücksichtigung der Betonung elektronischer Elemente neu zusammenzusetzen. Obwohl durchaus der klassische, organische Bandsound integriert wurde und es weiterhin Gitarren und andere Live-Instrumente zu hören gibt [neben elektrischen und akustischen Gitarren und Bass etwa auch ein Banjo bei „Back To Nowhere (Part 3)], sind es vor allen Dingen Synthesizer („Save Us“), E-Bassläufe („Today Is For Forgetting“), programmierte Beats und Rhythmusmaschinen („Now I’m In Love“) und die von Gastmusikerin MARTA ZAPPAROLI gestalteten atmosphärische Klangtexturen („Romance“, „Stay Alive“, „Epilogue“), die das Klangbild maßgeblich prägen, so dass am Ende statt eines typischen Singer/Songwriter-Albums eher eine New-Wave-Exkursion herauskam.

Fannings Fähigkeit, seine Ideen in Form eleganter musikalischer Elegien zu manifestieren, kam ihm auch mit diesem Album gelegen. Bis auf den treibend/monotonen Kraut-Rocker „Idiot Leader“ sind alle Tracks als melancholische, nachdenkliche Balladen angelegt.




FAZIT: Obwohl A.S. FANNING auf seinem vierten Album „Back To Nowhere“ das musikalische Setting infolge einer Verletzung vollständig wechseln und sich als Musiker erheblich umstellen musste, gelang es ihm, sich als Songwriter und Performer in den bisher gewohnten Bahnen zu bewegen. Selbst wenn er und die ihn begleitenden Musiker sich hier in bislang ungewohnten musikalischen Gefilden tummeln und dabei zu immer wieder überraschenden Ergebnissen kommen, ist „Back To Nowhere“ trotzdem ein typisches A.S. FANNING-Album geworden; vielleicht sogar ein weniger nihilistisches als seine bisherigen Arbeiten.

Ullrich Maurer (Info) (Review 56x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Save Us
  • Today Is For Forgetting
  • Back To Nowhere (Part 1)
  • Now I’m In Love
  • Romance
  • Idiot Leader
  • Back To Nowhere (Part 2)
  • Stay Alive
  • Western Medicine
  • Back To Nowhere (Part 3)
  • Epilogue
  • Talking To Ourselves

Besetzung:

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