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Exhorder: Mourn The Southern Skies (Review)

Artist:

Exhorder

Exhorder: Mourn The Southern Skies
Album:

Mourn The Southern Skies

Medium: CD
Stil:

Thrash Metal

Label: Nuclear Blast
Spieldauer: 52:58
Erschienen: 20.09.2019
Website: [Link]

Wenn eine Kultband nach langer Auszeit ein neues Album vorlegt, sind die Hoffnungen und Erwartungen der Fans meist groß und ziemlich klar definiert. So sehr, dass die Musiker gut daran tun, sich nicht darum zu scheren.

Schließlich kommt Fanservice in Form halbgarer Kompromisse oder Abklatsche früherer Erfolgsrezepte (Forbidden, Carcass) der Erfahrung nach meist eher uninspiriert rüber. Wird der persönlichen und musikalischen Entwicklung dagegen Rechnung getragen und der aufgestauten Kreativität der Jahre erlaubt, zu fließen (ähnlich intuitiv und unkalkuliert dürften die Klassiker schließlich auch entstanden sein), verprellt man vielleicht den konservativeren Teil der Fangemeinde, offenbart dafür aber oftmals wahre Feuerwerke der Inspiration (Cynic, Transport League, Kenn Nardi).

Da EXHORDER schon immer nur das getan haben, worauf sie Bock hatten, lag die Vermutung nahe, dass sie auch weiterhin so verfahren. Und richtig: Statt „Slaughter In The Vatican“ noch einmal aufzunehmen oder einen müden Zwitter mit „The Law“ zu versuchen, gibt es zwar einhundert Prozent EXHORDER, aber in einer in jeder Hinsicht elaborierten Version. Das hat mehrheitlich Vor-, aber auch kleine Nachteile, dazu später mehr.

Die Stärken der Band beginnen am Mikro. Kyle Thomas hat sich auf den beiden bisherigen EXHORDER Scheiben nicht nur als einer der fiesesten Shouter des Thrash einen Namen gemacht, sondern danach auch mit exzellenten Gesangsleistungen bei Floodgate, Alabama Thunderpussy oder Trouble geglänzt. Auf „Mourn The Southern Skies“ bringt er nun beides zusammen. Er brüllt mit wunderbar warmem Timbre und dem Volumen einer ausgebildeten Stimme, legt dabei eine der Musik angemessene Aggression an den Tag, verliert aber nie den Klang seines Organs aus den Augen. So verbleibt immer eine grundlegende, wenn auch rohe und subtextuelle Melodik in den Gesangslinien, und das auf einem technischen Niveau, das die wenigsten Metal Sänger erreichen. Wer damit nicht direkt etwas anzufangen weiß, möge sich das Video zum rasenden Riffmassaker „My Time“ zu Gemüte führen. Dessen Gesangslinien besitzen wohl weniger ausgefeilte Melodiebögen als die gemäßigteren Betätigungsfelder des Sängers, aber dennoch klar vorhandene.

Auch am sowohl als Riffmeister wie als Solist gern unterschätzten Vinnie LaBella kann man sich als Thrasher schwerlich satt hören. Sein Rhythmusspiel ist so schnell und technisch wie man es von Thrash Metal erwartet und schätzt, dabei im Detail unglaublich kreativ und vergleichsweise beseelter als bei Genrekollegen. Gemeint ist hier die der NOLA-Szene eigene Art, Töne miteinander zu verbinden, welche unterschiedlichste Bands wie Crowbar, Acid Bath oder Soilent Green geographisch einwandfrei verortbar macht. Zwar muss man im EXHORDER-Stakkato-Gewitter etwas genauer hinhören, doch dieser spezielle Sinn für Melodik findet sich auch hier.

Dass mit Marzi Montazeri (ex-Phil Anselmo & The Illegals/Superjoint Ritual), Jason VieBrooks (Heathen, ex-Grip Inc.) und Sasha Horn (Forbidden, Heathen) erstklassige Musiker und gestandene Profis die Band komplettieren, verstärkt den selbstbewusst souveränen Eindruck, den das Album macht und legt nahe, dass die Truppe es wirklich nochmal wissen will.

Stilistisch finden sich insofern Querverweise auf die ersten Alben, als ein Mix aus Höchstgeschwindigkeit und Groove nach wie vor bestimmender Faktor ist. Wie bereits erwähnt, klingt das am Ende klar nach EXHORDER, kommt aber doch ganz anders rüber als 1990 respektive 1992. Mehr Wucht, mehr Hooks, mehr Virtuosität an jedem Instrument, schlicht eine deutlich gesteigerte Musikalität zeichnen die zehn Stücke aus. Dabei besteht zu keiner Sekunde die Gefahr gepflegter Langeweile, im Gegenteil. In Sachen Energie bleibt die Scheibe nichts schuldig. Ob die ebenso melodiös wie knallhart groovenden „Asunder“ (Killer Gesangslinien) und „Yesterday’s Bones“ (Wahnsinns Solosektion), Knüppel-aus-dem-Sack-Geprügel wie „Beware The Wolf“ oder die ultrabrutale Neuauflage des Demo-Songs „Ripping Flesh“ (mit Original-Schlagzeuger Chris Nail) – auf „Mourn The Southern Skies“ gelingt der Truppe so ziemlich alles. Das am Ende stehende Titelstück schließlich unterstreicht noch einmal die Reichweite der Musiker, hätte der neuneinhalbminütige Southern Metal Song doch auf keinem der beiden Vorgänger existieren können (auf Floodgates „Penalty“ wäre er noch am wenigsten aus dem Rahmen gefallen). Dieser Song ist gleichwohl der einzige, der erkennen lässt, ob er aus bis zu 27 Jahre altem Archivmaterial stammt, irgendwann in der Zwischenzeit entstanden oder brandneu ist. Dass die Scheibe nämlich einen solchen Mix darstellt, ist ansonsten nicht auszumachen. Hier ist alles aus einem Guss, greift logisch ineinander.

Auf der künstlerischen Seite kann man sich als Fan also kaum mehr wünschen als eine solch stimmige Entwicklung, abgeliefert in kompositorischer Bestform.

Die angedeuteten Nachteile beziehen sich auf den zwar fetten und auch nicht übermäßig totproduzierten, aber doch in seiner Glätte und Harmlosigkeit zeitgemäß charakterlosen Sound. Hier hätte man sich ähnlich viel Mut und „Fuck You“ seitens der Band gewünscht, doch eigenen Aussagen zufolge wollte man es so haben, wie es jetzt ist. Vermutlich sind die Zeiten von Produktionen, die zwar unharmonisch, aber dadurch auch einzigartig und mit Persönlichkeit ausgestattet sind, unwiederbringlich vorbei. So ein geil fieses Sägen der Gitarren wie auf „The Law“ würde zum Beispiel noch eine Schippe Radikalität drauflegen, derartiges wird aber von der übertriebenen Ausgewogenheit der Produktion im Keim erstickt. Schade.

FAZIT: Zusammen mit Xentrix und Sacred Reich gelingt EXHORDER das Triple der hervorragend gelungenen Thrash-Opa-Rückkehren des Jahres, das neben der musikalischen Klasse dieser Bands quasi im Vorbeigehen dokumentiert, wie künstlerisch armselig das Gros aktueller Kapellen ist, die Look und Stilelemente (und gerne deren blödeste Ausprägungen) kopieren, aber in künstlerischer Hinsicht nichts zu sagen haben. In diesem Sinne: Besorgt euch den guten Stoff!

Hendrik Lukas (Info) (Review 761x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • My Time
  • Asunder
  • Hallowed Sound
  • Beware The Wolf
  • Yesterday’s Bones
  • All She Wrote
  • Rumination
  • The Arms Of Man
  • Ripping Flesh
  • Mourn The Southern Skies

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Neutraler Beobachter
gepostet am: 22.09.2019

User-Wertung:
5 Punkte

Diese Scheibe würde ich als "unnötigen Sondermüll" bezeichnen. Feeling - NULL, das Gekreische hat man auch schon besser gehört, und Groove, ... um den zu erkennen, muss man schon eine blühende Fantasie haben. Richtigen Groove und Soul gab es in diesem Sektor das letzte Mal bei Illdisposed "There Is Something Rotten ..." (ohne Ausfall!!) oder Exodus "Tempo Of The Damned" ("Throwing Down" oder "Blacklist").
Neutraler Beobachter
gepostet am: 22.09.2019

User-Wertung:
5 Punkte

Diese Scheibe würde ich als "unnötigen Sondermüll" bezeichnen. Feeling - NULL, das Gekreische hat man auch schon besser gehört, und Groove, ... um den zu erkennen, muss man schon eine blühende Fantasie haben. Richtigen Groove und Soul gab es in diesem Sektor das letzte Mal bei Illdisposed "There Is Something Rotten ..." (ohne Ausfall!!) oder Exodus "Tempo Of The Damned" ("Throwing Down" oder "Blacklist").
hendrik [musikreviews.de]
gepostet am: 23.09.2019

Was Feeling, Groove und Soul angeht, nimmt diese Dinge bestimmt jeder anders wahr, daher kann man darüber schlecht streiten. Für mich werden Exodus zum Beispiel richtig ineffektiv, wenn sie Midtempo machen. Dafür höre ich bei Kyle Thomas so viel Soul in der Stimme, wie zumindest im Thrash bei keinem anderen. Jedem seins.

Aber kreischen - das ist das, was er nun ganz gewiss gerade nicht tut. Er singt. Technisch verdammt gut (muss man ja nicht mögen, ist aber so). Und hebt sich damit von all den atonal krähenden Schreihälsen ab, die nur einen absurden kreativen Imperativ nachäffen.

Nix füt ungut :)
Pushl
gepostet am: 24.09.2019

User-Wertung:
7 Punkte

heute beim radeln gehört...ausser der Slaughter in the Vatican kann ich mit Exhorder nix anfangen. Das neue Album dümpelt 08/15 vor sich hin...viel zu viel midtempo und für mich einfach nur überflüssig. das ist zwar alles gut gespielt und auch "gesungen" aber...hab meine LP zum Glück noch stornieren können. Irgendwann gibts das mal für nen 10er bei NB im Sale.
Pushl
gepostet am: 24.09.2019

User-Wertung:
7 Punkte

heute beim radeln gehört...ausser der Slaughter in the Vatican kann ich mit Exhorder nix anfangen. Das neue Album dümpelt 08/15 vor sich hin...viel zu viel midtempo und für mich einfach nur überflüssig. das ist zwar alles gut gespielt und auch "gesungen" aber...hab meine LP zum Glück noch stornieren können. Irgendwann gibts das mal für nen 10er bei NB im Sale.
Pushl
gepostet am: 24.09.2019

User-Wertung:
7 Punkte

heute beim radeln gehört...ausser der Slaughter in the Vatican kann ich mit Exhorder nix anfangen. Das neue Album dümpelt 08/15 vor sich hin...viel zu viel midtempo und für mich einfach nur überflüssig. das ist zwar alles gut gespielt und auch "gesungen" aber...hab meine LP zum Glück noch stornieren können. Irgendwann gibts das mal für nen 10er bei NB im Sale.
Pushl
gepostet am: 24.09.2019

User-Wertung:
7 Punkte

heute beim radeln gehört...ausser der Slaughter in the Vatican kann ich mit Exhorder nix anfangen. Das neue Album dümpelt 08/15 vor sich hin...viel zu viel midtempo und für mich einfach nur überflüssig. das ist zwar alles gut gespielt und auch "gesungen" aber...hab meine LP zum Glück noch stornieren können. Irgendwann gibts das mal für nen 10er bei NB im Sale.
Pushl
gepostet am: 24.09.2019

User-Wertung:
7 Punkte

heute beim radeln gehört...ausser der Slaughter in the Vatican kann ich mit Exhorder nix anfangen. Das neue Album dümpelt 08/15 vor sich hin...viel zu viel midtempo und für mich einfach nur überflüssig. das ist zwar alles gut gespielt und auch "gesungen" aber...hab meine LP zum Glück noch stornieren können. Irgendwann gibts das mal für nen 10er bei NB im Sale.
Oliver
gepostet am: 02.10.2019

User-Wertung:
5 Punkte

Zwei gute Songs (Titelsong und Yesterday’s Bones ), dafür sind insbesondere die schnelleren Songs ein kreativer Offenbarungseid. Selbst der eigentlich recht gute Demo Song Ripping Flesh klingt hier gar nicht so gut. Da hat die Demo Version deutlich mehr Klasse und Charme. Die glattgebügelte Produktion und das viele Exodus light Geriffe drumherum tun ihr übriges dazu einem den Spaß an der Scheibe zu vermiesen. Sie hätten es besser sein gelassen.
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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