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Die Ärzte: Debil (Review)

Artist:

Die Ärzte

Die Ärzte: Debil
Album:

Debil

Medium: LP+DL-Code
Stil:

Frecher, extrem provokanter Deutschrock zwischen Punk und NDW

Label: Sony Music
Spieldauer: 36:27
Erschienen: 13.09.2019
Website: [Link]

Waren das noch Zeiten, als es freche Texte ohne Warnhinweise auf den LP‘s gab, man nicht jedes Wort x-mal im Munde umdrehen und nach politischer oder sexueller Korrektheit sezieren musste.
Internet und Streaming-Plattformen waren noch böhmische Dörfer und Musik hörte man von so großen schwarzen Scheiben, die man auf einen Plattenteller legte, um ihnen mit diamantenen Nadeln voluminöse Sounds zu entlocken. Echt „Debile“ Zeiten!

Wahrscheinlich wäre das deutschsprachige Fun-Punk-Trio mit Dirk Felsenheimer, Jan Vetter und Hans Runge, viel besser bekannt als Bela B., Farin Urlaub und Sahni aka DIE ÄRZTE heutzutage nie das geworden, was sie seit nunmehr 37 Jahren sind. Eine Band mit herrlich provokanten, schwarzhumorigen, aber auch zynischen und extrem makabren Texten, die jedes Tabu brachen und durch ihre Direktheit und den poppig-punkigen NDW- und Rock-Klang ein begeistertes Publikum sowie euphorische Fan-Scharen mobilisierten.

Die Rede ist in diesem Falle vom Jahr 1984 als DIE ÄRZTE, welche im September 1982 als Fun Punk Band ihr erstes Konzert im „Besetzereck“, einem besetzten Haus in Berlin SO 36, gegeben hatten, endlich auch ihr Debüt-Album veröffentlichen durften, das den Titel „Debil“ trug, aber eigentlich „Frech, frivol und unverschämt“ hätte heißen müssen.

Nach „Debil“ wurde vieles ganz schnell anders, denn wenn sich auf einer LP eine Claudia mit ihrem Schäferhund unterm Esstisch verlustiert oder ein unschuldiges Kindlein von einem Monster auf‘s Übelste massakriert wird, dann mussten unbedingt doch die gutdeutschen Sittenwächter einschreiten, was sie nur zwei Jahre später taten und die besagten beiden Songs von „Debil“ auf den Index setzten, weil sie angeblich „sozialethisch desorientierend“ seien – also „Schweinskram“, der im Sinne religiöser, sittlicher und anderer scheinheiliger Heile-Welt-Gefühle unbedingt verboten galt.
Doch diese gerissene, junge, aufmüpfige Band platzierte mit frontal erhobenem Stinkefinger gleich noch einen der lustigsten deutschen Mega-Hits darauf und machten so genau das wahr, was sie darin besangen: „Doch eines Tages werd‘ ich mich rächen, / Ich werd‘ die Herzen aller Mädchen brechen, / Dann bin ich ein Star und du läufst hinter mir her, / Doch dann ist es zu spät, dann kenn ich dich nicht mehr. / Zu spät!“
Wer diesen Hit aus Deutschland nicht kennt, der sollte unbedingt zum Arzt gehen, raten auch DIE ÄRZTE!

Spätestens nach diesem Rache-Lied waren DIE ÄRZTE Kult, der Titel dudelte in allen Radiostationen hoch und runter und erzielte eine ähnlich intensive Wirkung wie TRIOs „Da Da Da“. Man kam einfach nicht darum herum, genau wie um die LP, auf der man dann natürlich gleich die beiden indizierten Lieder mit dazubekam, genauso wie noch jede Menge herrlicher Unverschämtheiten mehr.

Schon unter diesem Blickwinkel erscheint es beinahe unfassbar, dass genau diese „Debil“-LP wieder in genau der gleichen Gestaltung der 84er-Ur-Version, ganz ohne Warnhinweis oder „Ab 18“-FSK-Beschränkung, dafür aber mit einem Download-Code versehen, auf 180 Gramm schwarz(humorig)en Vinyl im feinen Soundgewand wiederveröffentlicht wird, inklusive den extrem fiesen Schmatzgeräuschen auf dem „Schlaflied“, die, ähnlich wie die knarrende Tür, noch ein wenig grauenhafter zu klingen scheinen, als auf der Ursprungsvision.

In immer "Debiler" erscheinenden Zeiten ist es eben wieder höchste Zeit für „Debil“ von DIE ÄRZTE: „Und er lächelt, denn er weiß, / Das Böse siegt immer!“

FAZIT: „Debil“ von DIE ÄRZTE endlich wieder auf schwarzem Vinyl, fein säuberlich nach einer Jungs- und einer Mädchenseite sortiert, richtig gut klingend und mit komplett unzensierten, sogar auf der Innenhülle abgedruckten Texten. Ganz großer Kult-Alarm. Nur Vorsicht! Wer „Zu spät“ kommt, den bestrafen das Schlaflied-Monster und die verharzte, für ihre extreme Hundeliebe bekannte Claudia!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 700x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Seite A = Jungsseite = (19:04):
  • Ärzte Theme (Instrumental) (2:00)
  • Scheißtyp(2:50)
  • Paul (2:26)
  • Kamelralley (4:00)
  • Frank‘n‘stein (2:38)
  • El Cattivo (3:12)
  • Claudia hat `nen Schäferhund (1:58)
  • Seite B = Mädchenseite = (17:23):
  • Mädchen (2:06)
  • Mr. Sexpistols (3:14)
  • Micha (2:52)
  • Zu spät (2:43)
  • Roter Minirock (2:15)
  • Schlaflied (4:13)

Besetzung:

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