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Opeth: Blackwater Park (Review)

Artist:

Opeth

Opeth: Blackwater Park
Album:

Blackwater Park

Medium: CD
Stil:

Prog Metal / Death Metal

Label: Music For Nations
Spieldauer: 67:13
Erschienen: 27.02.2001
Website: [Link]

Ich habe OPETH niemals wirklich verabscheut. Aber bis vor einigen Monaten konnte ich noch gar nichts mit der Mischung aus Death- und Progmetal anfangen. Igitt… Ich weiß noch genau, wie ich damals im Kaufhaus stand, diese CD in den Händen hielt und mir zitternd den Kopfhörer aufsetzte. Schon die ersten Töne von „Leper Affinity“ fand ich grauenerregend. So ging dies mit jedem Song - anstatt wohlige PORCUPINE TREE-Harmonien zu bekommen (schließlich wirkte hier Steven Wilson mit), wie ich sie damals gewöhnt war, schlug mir ein extrem harter Brocken entgegen. Und dann noch dieses Cover… nee, davon hatte ich erst genug.

Aber eines war klar: Die Zeit war nämlich noch nicht reif.

Heute bin ich soweit, OPETH als eine meiner Lieblingsbands einzustufen. Eines vorweg: Diese Truppe hat nicht ein wirklich schlechtes Album abgeliefert. Nun scheint es so, dass jede CD von OPETH offensichtlich einen eigenen Charakter offenbart. „Ghost Reveries“ ist spirituell, okkult und stark vom Gothic beeinflusst. „Watershed“ ist psychotisch und irrsinnig. „Deliverance“ ist hart, kalt und düster.

Und „Blackwater Park“?

Blackwater Park“, nach einer angeblich verschollenen Progressive Rock-Band benannt, strahlt dieses Melancholische, Triste und Graue aus, hat aber gleichzeitig etwas Monumentales, Episches. So wirkt das fünfte Album der Prog/Death Metal-Band aus Schweden eher wie ein unüberwindbarer Granitbrocken, der aus einer öden, toten Sumpflandschaft herausragt, als wie eine blutige Schlächterei (ein Bild, welches man gerne mit Death Metal assoziiert… siehe CANNIBAL CORPSE).

Diese CD IST aber immer noch extrem hart, es wird zum Großteil gegrowlt und des öfteren auch mal sehr halsbrecherisch. Doch ich kann jeden verschreckten Progger beruhigen: OPETH setzen mit den wunderbar aufwühlenden, schönen Melodien, den Folk und Akustikparts, cleanem Gesang und haufenweise Rhythmus- und Themenwechsel Akzente. So wird aus dem bleiernden, monotonen Grau nach vielen Hördurchgängen pötzlich eine hell erleuchtete Welt, in der Erlösung und Hoffnung wartet. Und so etwas ist für ein Death Metal-Album schon eine verdammt große Leistung.

„The Leper Affinity“ beginnt mit stürmischen Riffgewittern, bis ein balladesker Mittelteil das mitreißende Finale ankündigt – und dies auf eine Länge von 10 Minuten. Pianoakkorde lassen den doch relativ schweren Einstieg nachdenklich ausklingen. Entspannung? Mitnichten, denn jetzt beginnt das Album erst so richtig!

Gleich der zweite Track ist wohl einer der größten Klassiker der Band. „Bleak“ heißt soviel wie „düster“, klingt aber keinesfalls so trist, wie es der Titel ankündigt. Nein, stattdessen wird ein ohrwurmiger Refrain auf den Hörer losgelassen, gesungen von – natürlich wieder - Steven Wilson. Das Gehirn von PORCUPINE TREE hatte wohl in „Blackwater Park“ überall seine Finger im Spiel, was man eben bei „Bleak“ sehr schön heraushören kann.

„Harvest“ gilt als eine der schönsten OPETH-Balladen. Auch hier wieder dieser zerbrechliche, anmutige Melodiebogen, welcher zum stillen Mitsingen animiert. Ab hier zieht sich diese faszinierende, herbstlich-düstere Stimmung durch das ganze Album wie ein roter Faden.

Mit einem der genialsten Riffs, die ich kenne, beginnt „The Drapery Falls“. Was hier für eine Dramatik, für eine Spannung aufgebaut wird, sollte man für schier unmöglich halten. Man beachte aber vor allem die markante Slideguitar im Hintergrund, welche deutlich zur Atmosphäre des Songs beiträgt.

„Dirge for November“ dürfte die meisten Black-Metaller Freudentänze machen lassen. Als würde man auf einer Beerdigung Death Metal spielen… irgendwie abgefahren – und extrem düster.

„The Funeral Portrait“ ist wieder ein straighterer Song, auch hier geht es ziemlich extrem zur Sache. Nicht unbedingt der Brüller, aber trotzdem gut.

„Patterns in the Ivy“ bildet schließlich die Ruhe vor dem letzten Sturm, dem alles vernichtenden finalen Track „Blackwater Park“. Ich bekomme noch heute Gänsehaut, wenn nach dem quälend langen Akustikpart endlich die dröhnenden Gitarren die Stille zerfetzen und einen Riffsturm von der Leine lassen, welcher sämtliche Nacken brechen dürfte. Mit einem Wort: „Geil“!

FAZIT: OPETH haben mit Steven Wilson an Bord einen Quantensprung vollzogen. Die Produktion ist fett, glasklar und der Sound wurde mit Keyboards und Piano verfeinert. Auch hat die für PORCUPINE TREE so typische Slideguitar Einzug erhalten, was zur Unterstützung der ohnehin genialen Melodien beigetragen hat. „Blackwater Park“ hat aus der Sicht des Fans ohne Zweifel eine 13 verdient. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass die Band zu dieser Zeit noch ziemlich tief im Death Metal verwurzelt war und so nicht für jeden Progger ansprechend sein dürfte. Immerhin: „Blackwater Park“ ist und bleibt ein Monument in der OPETH-Diskografie.

Benjamin Feiner (Info) (Review 5806x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • The Leper Affinity
  • Bleak
  • Harvest
  • The Drapery Falls
  • Dirge for November
  • The Funeral Portrait
  • Patterns in the Ivy
  • Blackwater Park

Besetzung:

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